Lipi
Sign in
←

Lipi Heritage · Free forever

Wilhelm Tell

Chapter 9 of 11

Wilhelm Tell — Teil 9

Listen to this section

Uses your saved EN voice · Narration settings

Narration reads this chapter in responsive sections.

heil’ge Schuld -- ich will sie zahlen. Du bist mein Herr und meines Kaisers Vogt; Doch nicht der Kaiser hätte sich erlaubt, Was +du+ -- Er sandte dich in diese Lande, Um Recht zu sprechen -- strenges, denn er zürnet -- Doch nicht, um mit der mörderischen Lust Dich jedes Gräuels straflos zu erfrechen; Es lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen. Komm du hervor, du Bringer bittrer Schmerzen, Mein theures Kleinod jetzt, mein höchster Schatz -- Ein Ziel will ich dir geben, das bis jetzt Der frommen Bitte undurchdringlich war -- Doch +dir+ soll es nicht widerstehn -- Und du, Vertraute Bogensehne, die so oft Mir treu gedient hat in der Freude Spielen, Verlass’ mich nicht im fürchterlichen Ernst! Nur jetzt noch halte fest, du treuer Strang, Der mir so oft den herben Pfeil beflügelt -- Entränn’ er jetzo kraftlos meinen Händen, Ich habe keinen zweiten zu versenden. (Wanderer gehen über die Scene.) Auf dieser Bank von Stein will ich mich setzen, Dem Wanderer zur kurzen Ruh bereitet -- Denn hier ist keine Heimat -- Jeder treibt Sich an dem Andern rasch und fremd vorüber Und fraget nicht nach seinem Schmerz -- Hier geht Der sorgenvolle Kaufmann und der leicht Geschürzte Pilger -- der andächt’ge Mönch, Der düstre Räuber und der heitre Spielmann, Der Säumer mit dem schwer beladnen Roß, Der ferne herkommt von der Menschen Ländern, Denn jede Straße führt ans End der Welt. Sie alle ziehen ihres Weges fort An ihr Geschäft -- und meines ist der Mord! (Setzt sich.) Sonst, wenn der Vater auszog, liebe Kinder, Da war ein Freuen, wenn er wieder kam; Denn niemals kehrt’ er heim, er bracht’ euch etwas, War’s eine schöne Alpenblume, war’s Ein seltner Vogel oder Ammonshorn, Wie es der Wandrer findet auf den Bergen -- Jetzt geht er einem andern Waidwerk nach, Am wilden Weg sitzt er mit Mordgedanken; Des Feindes Leben ist’s, worauf er lauert. -- Und doch an +euch+ nur denkt er, liebe Kinder, Auch jetzt -- euch zu vertheid’gen, eure holde Unschuld Zu schützen vor der Rache des Tyrannen, Will er zum Morde jetzt den Bogen spannen. (Steht auf.) Ich laure auf ein edles Wild -- Läßt sich’s Der Jäger nicht verdrießen, Tage lang Umher zu streifen in des Winters Strenge, Von Fels zu Fels den Wagesprung zu thun, Hinan zu klimmen an den glatten Wänden, Wo er sich anleimt mit dem eignen Blut, -- Um ein armselig Gratthier zu erjagen. Hier gilt es einen köstlicheren Preis, Das Herz des Todfeinds, der mich will verderben. (Man hört von ferne eine heitere Musik, welche sich nähert.) Mein ganzes Leben lang hab’ ich den Bogen Gehandhabt, mich geübt nach Schützenregel; Ich habe oft geschossen in das Schwarze Und manchen schönen Preis mir heimgebracht Vom Freudenschießen -- Aber heute will ich Den +Meisterschuß+ thun und das Beste mir Im ganzen Umkreis des Gebirgs gewinnen. Eine Hochzeit zieht über die Scene und durch den Hohlweg hinauf. Tell betrachtet sie, auf seinen Bogen gelehnt; =Stüssi=, der Flurschütz, gesellt sich zu ihm. =Stüssi.= Das ist der Klostermei’r von Mörlischachen, Der hier den Brautlauf hält -- ein reicher Mann -- Er hat wohl zehen Senten auf den Alpen. Die Braut holt er jetzt ab zu Imisee, Und diese Nacht wird hoch geschwelgt zu Küßnacht. Komm mit! ’s ist jeder Biedermann geladen. =Tell.= Ein ernster Gast stimmt nicht zum Hochzeithaus. =Stüssi.= Drückt euch ein Kummer, werft ihn frisch vom Herzen! Nehmt mit, was kommt; die Zeiten sind jetzt schwer; Drum muß der Mensch die Freude leicht ergreifen. Hier wird gefreit und anderswo begraben. =Tell.= Und oft kommt gar das Eine zu dem Andern. =Stüssi.= So geht die Welt nun. Es gibt allerwegen Unglücks genug -- Ein Ruffi ist gegangen Im Glarner Land, und eine ganze Seite Vom Glärnisch eingesunken. =Tell.= Wanken auch Die Berge selbst? Es steht nichts fest auf Erden. =Stüssi.= Auch anderswo vernimmt man Wunderdinge. Da sprach ich Einen, der von Baden kam. Ein Ritter wollte zu dem König reiten, Und unterwegs begegnet ihm ein Schwarm Von Hornissen; die fallen auf sein Roß, Daß es vor Marter todt zu Boden sinkt, Und er zu Fuße ankommt bei dem König. =Tell.= Dem Schwachen ist sein Stachel auch gegeben. =Armgart= kommt mit mehreren Kindern und stellt sich an den Eingang des Hohlwegs. =Stüssi.= Man deutet’s auf ein großes Landesunglück, Auf schwere Thaten wider die Natur. =Tell.= Dergleichen Thaten bringet jeder Tag; Kein Wunderzeichen braucht sie zu verkünden. =Stüssi.= Ja, wohl dem, der sein Feld bestellt in Ruh, Und ungekränkt daheim sitzt bei den Seinen. =Tell.= Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. (Tell sieht oft mit unruhiger Erwartung nach der Höhe des Weges.) =Stüssi.= Gehabt euch wohl -- Ihr wartet hier auf Jemand. =Tell.= Das thu’ ich. =Stüssi.= Frohe Heimkehr zu den Euren! -- Ihr seyd aus Uri? Unser gnäd’ger Herr, Der Landvogt, wird noch heut von dort erwartet. =Wandrer= (kommt). Den Vogt erwartet heut nicht mehr. Die Wasser Sind ausgetreten von dem großen Regen. Und alle Brücken hat der Strom zerrissen. (Tell steht auf.) =Armgart= (kommt vorwärts). Der Landvogt kommt nicht? =Stüssi.= Sucht ihr was an ihn? =Armgart.= Ach freilich! =Stüssi.= Warum stellet ihr euch denn In dieser hohlen Gass’ ihm in den Weg? =Armgart.= Hier weicht er mir nicht aus, er muß mich hören. =Frießhardt= (kommt eilfertig den Hohlweg herab und ruft in die Scene). Man fahre aus dem Weg -- Mein gnäd’ger Herr, Der Landvogt, kommt dicht hinter mir geritten. (Tell geht ab.) =Armgart= (lebhaft). Der Landvogt kommt! (Sie geht mit ihren Kindern nach der vordern Scene. =Geßler= und =Rudolph= der Harras zeigen sich zu Pferd auf der Höhe des Wegs.) =Stüssi= (zum Frießhardt). Wie kamt ihr durch das Wasser, Da doch der Strom die Brücken fortgeführt? =Frießhardt.= Wir haben mit dem See gefochten, Freund, Und fürchten uns vor keinem Alpenwasser. =Stüssi.= Ihr wart zu Schiff in dem gewalt’gen Sturm? =Frießhardt.= Das waren wir. Mein Lebtag denk’ ich dran -- =Stüssi.= O, bleibt, erzählt! =Frießhardt.= Laßt mich, ich muß voraus, Den Landvogt muß ich in der Burg verkünden. (Ab.) =Stüssi.= Wär’n gute Leute auf dem Schiff gewesen, In Grund gesunken wär’s mit Mann und Maus; +Dem+ Volk kann weder Wasser bei noch Feuer. (Er sieht sich um.) Wo kam der Waidmann hin, mit dem ich sprach? (Geht ab.) =Geßler= und =Rudolph der Harras= zu Pferd. =Geßler.= Sagt, was ihr wollt, ich bin des Kaisers Diener Und muß drauf denken, wie ich ihm gefalle. Er hat mich nicht ins Land geschickt, dem Volk Zu schmeicheln und ihm sanft zu thun -- Gehorsam Erwartet er; der Streit ist, ob der Bauer Soll Herr seyn in dem Lande oder der Kaiser. =Armgart.= Jetzt ist der Augenblick! Jetzt bring’ ich’s an! (Nähert sich furchtsam.) =Geßler.= Ich hab’ den Hut nicht aufgesteckt zu Altorf Des Scherzes wegen, oder um die Herzen Des Volks zu prüfen; diese kenn’ ich längst. Ich hab’ ihn aufgesteckt, daß sie den Nacken Mir lernen beugen, den sie aufrecht tragen -- Das +Unbequeme+ hab’ ich hingepflanzt Auf ihren Weg, wo sie vorbeigehn müssen, Daß sie drauf stoßen mit dem Aug’, und sich Erinnern ihres Herrn, den sie vergessen. =Rudolph.= Das Volk hat aber doch gewisse Rechte -- =Geßler.= Die abzuwägen, ist jetzt keine Zeit! -- Weitschicht’ge Dinge sind im Werk und Werden; Das Kaiserhaus will wachsen; was der Vater Glorreich begonnen, will der Sohn vollenden. Dies kleine Volk ist uns ein Stein im Weg -- So oder so -- es muß sich unterwerfen. (Sie wollen vorüber. Die Frau wirft sich vor dem Landvogt nieder.) =Armgart.= Barmherzigkeit, Herr Landvogt! Gnade! Gnade! =Geßler.= Was dringt ihr euch auf offner Straße mir In Weg -- Zurück! =Armgart.= Mein Mann liegt im Gefängniß; Die armen Waisen schrein nach Brod -- Habt Mitleid, Gestrenger Herr, mit unserm großen Elend? =Rudolph.= Wer seyd ihr? Wer ist euer Mann? =Armgart.= Ein armer Wildheuer, guter Herr, vom Rigiberge, Der überm Abgrund weg das freie Gras Abmähet von den schroffen Felsenwänden, Wohin das Vieh sich nicht getraut zu steigen -- =Rudolph= (zum Landvogt). Bei Gott! ein elend und erbärmlich Leben! Ich bitt’ euch, gebt ihn los, den armen Mann! Was er auch Schweres mag verschuldet haben, Strafe genug ist sein entsetzlich Handwerk. (Zu der Frau.) Euch soll Recht werden -- Drinnen auf der Burg Nennt eure Bitte -- Hier ist nicht der Ort. =Armgart.= Nein, nein, ich weiche nicht von diesem Platz, Bis mir der Vogt den Mann zurückgegeben! Schon in den sechsten Mond liegt er im Thurm Und harret auf den Richterspruch vergebens. =Geßler.= Weib, wollt ihr mir Gewalt anthun? Hinweg! =Armgart.= Gerechtigkeit, Landvogt! Du bist der Richter Im Lande an des Kaisers Statt und Gottes. Thu deine Pflicht! So du Gerechtigkeit Vom Himmel hoffest, so erzeig sie uns! =Geßler.= Fort! Schafft das freche Volk mir aus den Augen. =Armgart= (greift in die Zügel des Pferdes). Nein, nein, ich habe nichts mehr zu verlieren. -- Du kommst nicht von der Stelle, Vogt, bis du Mir Recht gesprochen -- Falte deine Stirne, Rolle die Augen, wie du willst -- Wir sind So gränzenlos unglücklich, daß wir nichts Nach deinem Zorn mehr fragen -- =Geßler.= Weib, mach Platz Oder mein Roß geht über dich hinweg. =Armgart.= Laß es über mich dahin gehn -- Da -- (Sie reißt ihre Kinder zu Boden und wirft sich mit ihnen ihm in den Weg.) Hier lieg’ ich Mit meinen Kindern -- Laß die armen Waisen Von deines Pferdes Huf zertreten werden! Es ist das Aergste nicht, was du gethan -- =Rudolph.= Weib, seyd ihr rasend? =Armgart= (heftiger fortfahrend). Tratest du doch längst Das Land des Kaisers unter deine Füße! -- O, ich bin nur ein Weib. Wär’ ich ein Mann, Ich wüßte wohl was Besseres, als hier Im Staub zu liegen -- (Man hört die vorige Musik wieder auf der Höhe des Wegs, aber gedämpft.) =Geßler.= Wo sind meine Knechte? Man reiße sie von hinnen oder ich Vergesse mich und thue, was mich reuet. =Rudolph.= Die Knechte können nicht hindurch, o Herr! Der Hohlweg ist gesperrt durch eine Hochzeit. =Geßler.= Ein allzu milder Herrscher bin ich noch Gegen dies Volk -- die Zungen sind noch frei, Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt -- Doch es soll anders werden, ich gelob’ es; Ich will ihn brechen, diesen starren Sinn, Den kecken Geist der Freiheit will ich beugen, Ein neu Gesetz will ich in diesen Landen Verkündigen -- Ich will -- (Ein Pfeil durchbohrt ihn; er fährt mit der Hand ans Herz und will sinken. Mit matter Stimme.) Gott sey mir gnädig! =Rudolph.= Herr Landvogt -- Gott! Was ist das? Woher kam das? =Armgart= (auffahrend). Mord! Mord! Er taumelt, sinkt! Er ist getroffen! =Rudolph= (springt vom Pferde). Welch gräßliches Ereigniß -- Gott -- Herr Ritter -- Ruft die Erbarmung Gottes an! Ihr seyd Ein Mann des Todes! =Geßler.= Das ist Tells Geschoß. (Ist vom Pferde herab dem Rudolph Harras in den Arm gegleitet und wird auf der Bank niedergelassen.) =Tell= (erscheint oben auf der Höhe des Felsen). Du kennst den Schützen, suche keinen andern! Frei sind die Hütten, sicher ist die Unschuld Vor dir, du wirst dem Lande nicht mehr schaden. (Verschwindet von der Höhe. Volk stürzt herein.) =Stüssi= (voran). Was gibt es hier? Was hat sich zugetragen? =Armgart.= Der Landvogt ist von einem Pfeil durchschossen. =Volk= (im Hereinstürzen). Wer ist erschossen? (Indem die Vordersten von dem Brautzug auf die Scene kommen, sind die Hintersten noch auf der Höhe, und die Musik geht fort.) =Rudolph der Harras.= Er verblutet sich. Fort, schaffet Hülfe! Setzt dem Mörder nach! -- Verlorner Mann, so muß es mit dir enden; Doch meine Warnung wolltest du nicht hören! =Stüssi.= Bei Gott, da liegt er bleich und ohne Leben! =Viele Stimmen.= Wer hat die That gethan? =Rudolph der Harras.= Rast dieses Volk, Daß es dem Mord Musik macht? Laßt sie schweigen! (Musik bricht plötzlich ab, es kommt noch mehr Volk nach.) Herr Landvogt, redet, wenn ihr könnt -- Habt ihr Mir nichts mehr zu vertrauen? (Geßler gibt Zeichen mit der Hand, die er mit Heftigkeit wiederholt, da sie nicht gleich verstanden werden.) Wo soll ich hin? -- Nach Küßnacht? Ich versteh’ euch nicht -- O, werdet Nicht ungeduldig -- Laßt das Irdische! Denkt jetzt, euch mit dem Himmel zu versöhnen. (Die ganze Hochzeitgesellschaft umsteht den Sterbenden mit einem fühllosen Grausen.) =Stüssi.= Sieh, wie er bleich wird -- Jetzt, jetzt tritt der Tod Ihm an das Herz -- die Augen sind gebrochen. =Armgart= (hebt ein Kind empor). Seht, Kinder, wie ein Wütherich verscheidet! =Rudolph der Harras.= Wahnsinnige Weiber, habt ihr kein Gefühl, Daß ihr den Blick an diesem Schreckniß weidet? -- Helft -- leget Hand an -- Steht mir Niemand bei, Den Schmerzenspfeil ihm aus der Brust zu ziehn? =Weiber= (treten zurück). Wir ihn berühren, welchen Gott geschlagen? =Rudolph der Harras.= Fluch treff’ euch und Verdammniß! (Zieht das Schwert.) =Stüssi= (fällt ihm in den Arm). Wagt es, Herr! Eu’r Walten hat ein Ende. Der Tyrann Des Landes ist gefallen. Wir erdulden Keine Gewalt mehr. Wir sind freie Menschen. =Alle= (tumultuarisch). Das Land ist frei! =Rudolph der Harras.= Ist es dahin gekommen? -- Endet die Furcht so schnell und der Gehorsam? (Zu den Waffenknechten, die hereindringen.) Ihr seht die grausenvolle That des Mords, Die hier geschehen -- Hülfe ist umsonst -- Vergeblich ist’s dem Mörder nachzusetzen. Uns drängen andre Sorgen -- Auf, nach Küßnacht, Daß wir dem Kaiser seine Veste retten! Denn aufgelöst in diesem Augenblick Sind aller Ordnung, aller Pflichten Bande, Und keines Mannes Treu ist zu vertrauen. Indem er mit den Waffenknechten abgeht, erscheinen =sechs barmherzige Brüder=. =Armgart.= Platz! Platz! Da kommen die barmherz’gen Brüder. =Stüssi.= Das Opfer liegt -- die Raben steigen nieder. =Barmherzige Brüder= (schließen einen Halbkreis um den Todten und singen im tiefen Ton). Rasch tritt der Tod den Menschen an; Es ist ihm keine Frist gegeben; Es stürzt ihn mitten in der Bahn, Es reißt ihn fort vom vollen Leben. Bereitet oder nicht, zu gehen, Er muß vor seinen Richter stehen! (Indem die letzten Zeilen wiederholt werden, fällt der Vorhang.) Fünfter Aufzug. Erste Scene. +Oeffentlicher Platz bei Altorf.+ Im Hintergrunde rechts die Veste Zwing Uri mit dem noch stehenden Baugerüste, wie in der dritten Scene des ersten Aufzugs; links eine Aussicht in viele Berge hinein, auf welchen allen Signalfeuer brennen. Es ist eben Tagesanbruch, Glocken ertönen aus verschiedenen Fernen. =Ruodi=, =Kuoni=, =Werni=, =Meister Steinmetz= und viele andere =Landleute=, auch =Weiber= und =Kinder=. =Ruodi.= Seht ihr die Feu’rsignale auf den Bergen? =Steinmetz.= Hört ihr die Glocken drüben überm Wald? =Ruodi.= Die Feinde sind verjagt. =Steinmetz.= Die Burgen sind erobert. =Ruodi.= Und wir im Lande Uri dulden noch Auf unserm Boden das Tyrannenschloß? Sind wir die Letzten, die sich frei erklären? =Steinmetz.= Das Joch soll stehen, das uns zwingen wollte? Auf, reißt es nieder! =Alle.= Nieder! nieder! nieder! =Ruodi.= Wo ist der Stier von Uri? =Stier von Uri.= Hier. Was soll ich? =Ruodi.= Steigt auf die Hochwacht, blast in euer Horn, Daß es weitschmetternd in die Berge schalle, Und, jedes Echo in den Felsenklüften Aufweckend, schnell die Männer des Gebirgs Zusammenrufe! Stier von Uri geht ab. =Walther Fürst= kommt. =Walther Fürst.= Haltet, Freunde! Haltet! Noch fehlt uns Kunde, was in Unterwalden Und Schwytz geschehen. Laßt uns Boten erst Erwarten. =Ruodi.= Was erwarten? Der Tyrann Ist todt; der Tag der Freiheit ist erschienen. =Steinmetz.= Ist’s nicht genug an diesen flammenden Boten, Die rings herum auf allen Bergen leuchten? =Ruodi.= Kommt Alle, kommt, legt Hand an, Männer und Weiber. Brecht das Gerüste! Sprengt die Bogen! Reißt Die Mauern ein! Kein Stein bleib’ auf dem andern. =Steinmetz.= Gesellen, kommt! Wir haben’s aufgebaut, Wir wissen’s zu zerstören. =Alle.= Kommt, reißt nieder! (Sie stürzen sich von allen Seiten auf den Bau.) =Walther Fürst.= Es ist im Lauf. Ich kann sie nicht mehr halten. =Melchthal= und =Baumgarten= kommen. =Melchthal.= Was? steht die Burg noch, und Schloß Sarnen liegt In Asche, und der Roßberg ist gebrochen? =Walther Fürst.= Seyd ihr es, Melchthal? Bringt ihr uns die Freiheit? Sagt, sind die Lande alle rein vom Feind? =Melchthal= (umarmt ihn). Rein ist der Boden. Freut euch, alter Vater! In diesem Augenblicke, da wir reden, Ist kein Tyrann mehr in der Schweizer Land. =Walther Fürst.= O, sprecht, wie wurdet ihr der Burgen mächtig? =Melchthal.= Der Rudenz war es, der das Sarner Schloß Mit mannlich kühner Wagethat gewann. Den Roßberg hatt’ ich Nachts zuvor erstiegen. -- Doch höret, was geschah. Als wir das Schloß Vom Feind geleert, nun freudig angezündet, Die Flamme prasselnd schon zum Himmel schlug, Da stürzt der Diethelm, Geßlers Bub, hervor Und ruft, daß die Bruneckerin verbrenne. =Walther Fürst.= Gerechter Gott! (Man hört die Balken des Gerüstes stürzen.) =Melchthal.= Sie war es selbst, war heimlich Hier eingeschlossen auf des Vogts Geheiß. Rasend erhob sich Rudenz -- denn wir hörten Die Balken schon, die festen Pfosten stürzen Und aus dem Rauch hervor den Jammerruf Der Unglückseligen. =Walther Fürst.= Sie ist gerettet? =Melchthal.= Da galt Geschwindseyn und Entschlossenheit! -- Wär’