Chapter 7 of 11
Wilhelm Tell — Teil 7
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So werd’ ich toben gegen meine Bande. =Rudolph der Harras.= Die Augen nur laß dir verbinden, Knabe! =Walther Tell.= Warum die Augen! Denket ihr, ich fürchte Den Pfeil von Vaters Hand? Ich will ihn fest Erwarten und nicht zucken mit den Wimpern. -- Frisch, Vater, zeig’s, daß du ein Schütze bist! Er glaubt dir’s nicht, er denkt uns zu verderben -- Dem Wüthrich zum Verdrusse schieß und triff! (Er geht an die Linde, man legt ihm den Apfel auf.) =Melchthal= (zu den Landleuten). Was? Soll der Frevel sich vor unsern Augen Vollenden? Wozu haben wir geschworen? =Stauffacher.= Es ist umsonst. Wir haben keine Waffen; Ihr seht den Wald von Lanzen um uns her. =Melchthal.= O, hätten wir’s mit frischer That vollendet! Verzeih’s Gott denen, die zum Aufschub riethen! =Geßler= (zu Tell). Ans Werk! Man führt die Waffen nicht vergebens. Gefährlich ist’s, ein Mordgewehr zu tragen, Und auf den Schützen springt der Pfeil zurück. Dies stolze Recht, das sich der Bauer nimmt, Beleidiget den höchsten Herrn des Landes. Gewaffnet sey Niemand, als wer gebietet. Freut’s euch, den Pfeil zu führen und den Bogen, Wohl, so will +ich+ das Ziel euch dazu geben. =Tell= (spannt die Armbrust und legt den Pfeil auf). Oeffnet die Gasse! Platz! =Stauffacher.= Was, Tell? Ihr wolltet -- Nimmermehr -- Ihr zittert, Die Hand erbebt euch, eure Knie wanken -- =Tell= (läßt die Armbrust sinken). Mir schwimmt es vor den Augen! =Weiber.= Gott im Himmel! =Tell= (zum Landvogt). Erlasset mir den Schuß. Hier ist mein Herz! (Er reißt die Brust auf.) Ruft eure Reisigen und stoßt mich nieder! =Geßler.= Ich will dein Leben nicht, ich will den Schuß. -- Du kannst ja Alles, Tell! An nichts verzagst du; Das Steuerruder führst du wie den Bogen; Dich schreckt kein Sturm, wenn es zu retten gilt. Jetzt, Retter, hilf dir selbst -- du rettest Alle! (Tell steht in fürchterlichem Kampf, mit den Händen zuckend und die rollenden Augen bald auf den Landvogt, bald zum Himmel gerichtet. -- Plötzlich greift er in seinen Köcher, nimmt einen zweiten Pfeil heraus und steckt ihn in seinen Goller. Der Landvogt bemerkt alle diese Bewegungen.) =Walther Tell= (unter der Linde). Vater, schieß zu! Ich fürcht’ mich nicht. =Tell.= Es muß! (Er rafft sich zusammen und legt an.) =Rudenz= (der die ganze Zeit über in der heftigsten Spannung gestanden und mit Gewalt an sich gehalten, tritt hervor.) Herr Landvogt, weiter werdet ihr’s nicht treiben, Ihr werdet +nicht+ -- Es war nur eine Prüfung -- Den Zweck habt ihr erreicht -- Zu weit getrieben Verfehlt die Strenge ihres weisen Zwecks, Und, allzustraff gespannt, zerspringt der Bogen. =Geßler.= Ihr schweigt, bis man euch aufruft. =Rudenz.= Ich +will+ reden! Ich darf’s! Des Königs Ehre ist mir heilig; Doch solches Regiment muß Haß erwerben. Das ist des Königs Wille nicht -- ich darf’s Behaupten -- Solche Grausamkeit verdient Mein Volk nicht; dazu habt ihr keine Vollmacht. =Geßler.= Ha, ihr erkühnt euch! =Rudenz.= Ich hab’ still geschwiegen Zu allen schweren Thaten, die ich sah; Mein sehend’ Auge hab’ ich zugeschlossen, Mein überschwellend und empörtes Herz Hab’ ich hinabgedrückt in meinen Busen. Doch länger schweigen wär’ Verrath zugleich An meinem Vaterland und an dem Kaiser. =Bertha= (wirft sich zwischen ihn und den Landvogt). O Gott, ihr reizt den Wüthenden noch mehr. =Rudenz.= Mein Volk verließ ich, meinen Blutsverwandten Entsagt’ ich, alle Bande der Natur Zerriß ich, um an euch mich anzuschließen -- Das Beste Aller glaubt’ ich zu befördern, Da ich des Kaisers Macht befestigte -- Die Binde fällt von meinen Augen -- Schaudernd Seh’ ich an einen Abgrund mich geführt -- Mein freies Urtheil habt ihr irr geleitet, Mein redlich Herz verführt -- Ich war daran, Mein Volk in bester Meinung zu verderben. =Geßler.= Verwegner, diese Sprache deinem Herrn? =Rudenz.= Der Kaiser ist mein Herr, nicht ihr -- Frei bin ich Wie ihr geboren, und ich messe mich Mit euch in jeder ritterlichen Tugend. Und, ständet ihr nicht hier in Kaisers Namen, Den ich verehre, selbst wo man ihn schändet, Den Handschuh wärf’ ich vor euch hin, ihr solltet Nach ritterlichem Brauch mir Antwort geben. -- Ja, winkt nur euren Reisigen -- Ich stehe Nicht wehrlos da, wie +die+ -- (Auf das Volk zeigend.) Ich hab’ ein Schwert, Und, wer mir naht -- =Stauffacher= (ruft). Der Apfel ist gefallen! (Indem sich Alle nach dieser Seite gewendet, und Bertha zwischen Rudenz und den Landvogt sich geworfen, hat Tell den Pfeil abgedrückt.) =Rösselmann.= Der Knabe lebt! =Viele Stimmen.= Der Apfel ist getroffen! (Walther Fürst schwankt und droht zu sinken, Bertha hält ihn.) =Geßler= (erstaunt). Er hat geschossen? Wie? Der Rasende! =Bertha.= Der Knabe lebt! Kommt zu euch, guter Vater! =Walther Tell= (kommt mit dem Apfel gesprungen). Vater, hier ist der Apfel -- Wußt’ ich’s ja, Du würdest deinen Knaben nicht verletzen. =Tell= (stand mit vorgebogenem Leib, als wollt’ er dem Pfeile folgen -- die Armbrust entsinkt seiner Hand -- wie er den Knaben kommen sieht, eilt er ihm mit ausgebreiteten Armen entgegen und hebt ihn mit heftiger Inbrunst zu seinem Herzen hinauf; in dieser Stellung sinkt er kraftlos zusammen. Alle stehen gerührt). =Bertha.= O güt’ger Himmel! =Walther Fürst= (zu Vater und Sohn). Kinder! meine Kinder! =Stauffacher.= Gott sey gelobt! =Leuthold.= Das war ein Schuß! Davon Wird man noch reden in den spätsten Zeiten. =Rudolph der Harras.= Erzählen wird man von dem Schützen Tell, So lang die Berge stehn auf ihrem Grunde. (Reicht dem Landvogt den Apfel.) =Geßler.= Bei Gott, der Apfel mitten durch geschossen! Es war ein Meisterschuß, ich muß ihn loben. =Rösselmann.= Der Schuß war gut; doch wehe dem, der ihn Dazu getrieben, daß er Gott versuchte. =Stauffacher.= Kommt zu euch, Tell, steht auf, ihr habt euch männlich Gelöst, und frei könnt ihr nach Hause gehen. =Rösselmann.= Kommt, kommt und bringt der Mutter ihren Sohn! (Sie wollen ihn wegführen.) =Geßler.= Tell, höre! =Tell= (kommt zurück). Was befehlt ihr, Herr? =Geßler.= Du stecktest Noch einen zweiten Pfeil zu dir -- Ja, ja, Ich sah es wohl -- Was meintest du damit? =Tell= (verlegen). Herr, das ist also bräuchlich bei den Schützen. =Geßler.= Nein, Tell, die Antwort lass’ ich dir nicht gelten; Es wird was Andres wohl bedeutet haben. Sag mir die Wahrheit frisch und fröhlich, Tell; Was es auch sey, dein Leben sichr’ ich dir. Wozu der zweite Pfeil? =Tell.= Wohlan, o Herr, Weil ihr mich meines Lebens habt gesichert -- So will ich euch die Wahrheit gründlich sagen. (Er zieht den Pfeil aus dem Goller und sieht den Landvogt mit einem furchtbaren Blick an.) Mit diesem zweiten Pfeil durchschoß ich -- +euch+, Wenn ich mein liebes Kind getroffen hätte, Und eurer -- wahrlich, hätt’ ich nicht gefehlt. =Geßler.= Wohl, Tell! Des Lebens hab’ ich dich gesichert; Ich gab mein Ritterwort, das will ich halten -- Doch, weil ich deinen bösen Sinn erkannt, Will ich dich führen lassen und verwahren, Wo weder Mond noch Sonne dich bescheint, Damit ich sicher sey vor deinen Pfeilen. Ergreift ihn, Knechte! Bindet ihn! (Tell wird gebunden.) =Stauffacher.= Wie, Herr! So könntet ihr an einem Manne handeln, An dem sich Gottes Hand sichtbar verkündigt? =Geßler.= Laß sehn, ob sie ihn zweimal retten wird. -- Man bring’ ihn auf mein Schiff! Ich folge nach Sogleich, ich selbst will ihn nach Küßnacht führen. =Rösselmann.= Das dürft ihr nicht, das darf der Kaiser nicht, Das widerstreitet unsern Freiheitsbriefen! =Geßler.= Wo sind sie? Hat der Kaiser sie bestätigt? Er hat sie nicht bestätigt -- Diese Gunst Muß erst erworben werden durch Gehorsam. Rebellen seyd ihr Alle gegen Kaisers Gericht und nährt verwegene Empörung. Ich kenn’ euch Alle -- ich durchschau’ euch ganz -- +Den+ nehm’ ich jetzt heraus aus eurer Mitte; Doch Alle seyd ihr theilhaft seiner Schuld. Wer klug ist, lerne schweigen und gehorchen. (Er entfernt sich, Bertha, Rudenz, Harras und Knechte folgen, Frießhardt und Leuthold bleiben zurück.) =Walther Fürst= (in heftigem Schmerz). Es ist vorbei; er hat’s beschlossen, mich Mit meinem ganzen Hause zu verderben! =Stauffacher= (zum Tell). O, warum mußtet ihr den Wüthrich reizen! =Tell.= Bezwinge sich, wer meinen Schmerz gefühlt! =Stauffacher.= O, nun ist Alles, Alles hin! Mit euch Sind wir gefesselt Alle und gebunden! =Landleute= (umringen den Tell). Mit euch geht unser letzter Trost dahin! =Leuthold= (nähert sich). Tell, es erbarmt mich -- doch ich muß gehorchen. =Tell.= Lebt wohl! =Walther Tell= (sich mit heftigem Schmerz an ihn schmiegend). O Vater! Vater! lieber Vater! =Tell= (hebt die Arme zum Himmel). Dort droben ist dein Vater! Den ruf’ an! =Stauffacher.= Tell, sag’ ich eurem Weibe nichts von euch? =Tell= (hebt den Knaben mit Inbrunst an seine Brust). Der Knab’ ist unverletzt; mir wird Gott helfen. (Reißt sich schnell los und folgt den Waffenknechten.) Vierter Aufzug. Erste Scene. +Oestliches Ufer des Vierwaldstättersees.+ Die seltsam gestalteten schroffen Felsen im Westen schließen den Prospect. Der See ist bewegt, heftiges Rauschen und Tosen, dazwischen Blitze und Donnerschläge. =Kunz von Gersau.= =Fischer= und =Fischerknabe=. =Kunz.= Ich sah’s mit Augen an, ihr könnt mir’s glauben; ’s ist Alles so geschehn, wie ich euch sagte. =Fischer.= Der Tell gefangen abgeführt nach Küßnacht, Der beste Mann im Land, der bravste Arm, Wenn’s einmal gelten sollte für die Freiheit. =Kunz.= Der Landvogt führt ihn selbst den See herauf; Sie waren eben dran, sich einzuschiffen, Als ich von Flüelen abfuhr; doch der Sturm, Der eben jetzt im Anzug ist, und der Auch mich gezwungen, eilends hier zu landen, Mag ihre Abfahrt wohl verhindert haben. =Fischer.= Der Tell in Fesseln, in des Vogts Gewalt! O, glaubt, er wird ihn tief genug vergraben, Daß er des Tages Licht nicht wieder sieht! Denn fürchten muß er die gerechte Rache Des freien Mannes, den er schwer gereizt! =Kunz.= Der Altlandammann auch, der edle Herr Von Attinghausen, sagt man, lieg’ am Tode. =Fischer.= So bricht der letzte Anker unsrer Hoffnung! Der war es noch allein, der seine Stimme Erheben durfte für des Volkes Rechte! =Kunz.= Der Sturm nimmt überhand. Gehabt euch wohl! Ich nehme Herberg’ in dem Dorf; denn heut Ist doch an keine Abfahrt mehr zu denken. (Geht ab.) =Fischer.= Der Tell gefangen, und der Freiherr todt! Erheb die freche Stirne, Tyrannei, Wirf alle Scham hinweg! Der Mund der Wahrheit Ist stumm, das sehn’de Auge ist geblendet, Der Arm, der retten sollte, ist gefesselt! =Knabe.= Es hagelt schwer. Kommt in die Hütte, Vater, Es ist nicht kommlich, hier im Freien hausen. =Fischer.= Raset, ihr Winde! Flammt herab, ihr Blitze! Ihr Wolken berstet! Gießt herunter, Ströme Des Himmels, und ersäuft das Land! Zerstört Im Keim die ungeborenen Geschlechter! Ihr wilden Elemente, werdet Herr! Ihr Bären, kommt, ihr alten Wölfe wieder Der großen Wüste! euch gehört das Land. Wer wird hier leben wollen ohne Freiheit! =Knabe.= Hört, wie der Abgrund tost, der Wirbel brüllt, So hat’s noch nie gerast in diesem Schlunde! =Fischer.= Zu zielen auf des eignen Kindes Haupt, Solches ward keinem Vater noch geboten! Und die Natur soll nicht in wildem Grimm Sich drob empören -- O, mich soll’s nicht wundern, Wenn sich die Felsen bücken in die See, Wenn jene Zacken, jene Eisesthürme, Die nie aufthauten seit dem Schöpfungstag, Von ihren hohen Kulmen niederschmelzen, Wenn die Berge brechen, wenn die alten Klüfte Einstürzen, eine zweite Sündflut alle Wohnstätten der Lebendigen verschlingt! (Man hört läuten.) =Knabe.= Hört ihr, sie läuten droben auf dem Berg. Gewiß hat man ein Schiff in Noth gesehn Und zieht die Glocke, daß gebetet werde. (Steigt auf eine Anhöhe.) =Fischer.= Wehe dem Fahrzeug, das, jetzt unterwegs, In dieser furchtbarn Wiege wird gewiegt! Hier ist das Steuer unnütz und der Steurer, Der Sturm ist Meister, Wind und Welle spielen Ball mit dem Menschen -- Da ist nah und fern Kein Busen, der ihm freundlich Schutz gewährte! Handlos und schroff ansteigend starren ihm Die Felsen, die unwirthlichen, entgegen Und weisen ihm nur ihre steinern schroffe Brust. =Knabe= (deutet links). Vater, ein Schiff! es kommt von Flüelen her. =Fischer.= Gott helf den armen Leuten! Wenn der Sturm In dieser Wasserkluft sich erst verfangen, Dann rast er um sich mit des Raubthiers Angst, Das an des Gitters Eisenstäbe schlägt! Die Pforte sucht er heulend sich vergebens; Denn ringsum schränken ihn die Felsen ein, Die himmelhoch den engen Paß vermauern. (Er steigt auf eine Anhöhe.) =Knabe.= Es ist das Herrenschiff von Uri, Vater, Ich kenn’s am rothen Dach und an der Fahne. =Fischer.= Gerichte Gottes! Ja, er ist es selbst, Der Landvogt, der da fährt -- Dort schifft er hin Und führt im Schiffe sein Verbrechen mit! Schnell hat der Arm des Rächers ihn gefunden, Jetzt kennt er über sich den stärkern Herrn. Diese Wellen geben nicht auf seine Stimme, Diese Felsen bücken ihre Häupter nicht Vor seinem Hute -- Knabe, bete nicht! Greif nicht dem Richter in den Arm! =Knabe.= Ich bete für den Landvogt nicht -- Ich bete Für den Tell, der auf dem Schiff sich mit befindet. =Fischer.= O Unvernunft des blinden Elements! Mußt du, um +einen+ Schuldigen zu treffen, Das Schiff mit sammt dem Steuermann verderben. =Knabe.= Sieh, sieh, sie waren glücklich schon vorbei Am +Buggisgrat+; doch die Gewalt des Sturms, Der von dem Teufelsmünster widerprallt, Wirft sie zum großen +Axenberg+ zurück. -- Ich seh sie nicht mehr. =Fischer.= Dort ist das +Hackmesser+, Wo schon der Schiffe mehrere gebrochen. Wenn sie nicht weislich dort vorüberlenken, So wird das Schiff zerschmettert an der Fluh, Die sich gähstotzig absenkt in die Tiefe. -- Sie haben einen guten Steuermann Am Bord; könnt’ Einer retten, wär’s der Tell; Doch dem sind Arm’ und Hände ja gefesselt. =Wilhelm Tell= mit der Armbrust. (Er kommt mit raschen Schritten, blickt erstaunt umher und zeigt die heftigste Bewegung. Wenn er mitten auf der Scene ist, wirft er sich nieder, die Hände zu der Erde und dann zum Himmel ausbreitend). =Knabe= (bemerkt ihn). Sieh, Vater, wer der Mann ist, der dort kniet? =Fischer.= Er faßt die Erde an mit seinen Händen Und scheint wie außer sich zu seyn. =Knabe= (kommt vorwärts). Was seh’ ich! Vater! Vater, kommt und seht! =Fischer= (nähert sich). Wer ist es? -- Gott im Himmel! Was? der Tell? Wie kommt ihr hieher? Redet! =Knabe.= Wart ihr nicht Dort auf dem Schiff gefangen und gebunden? =Fischer.= Ihr wurdet nicht nach Küßnacht abgeführt? =Tell= (steht auf). Ich bin befreit. =Fischer= und =Knabe=. Befreit! O Wunder Gottes! =Knabe.= Wo kommt ihr her? =Tell.= Dort aus dem Schiffe. =Fischer.= Was? =Knabe= (zugleich). Wo ist der Landvogt? =Tell.= Auf den Wellen treibt er. =Fischer.= Ist’s möglich? Aber +ihr+? wie seyd ihr hier? Seyd euren Banden und dem Sturm entkommen? =Tell.= Durch Gottes gnäd’ge Fürsehung -- Hört an! =Fischer= und =Knabe=. O, redet, redet! =Tell.= Was in Altorf sich Begeben, wißt ihr’s? =Fischer.= Alles weiß ich, redet! =Tell.= Daß mich der Landvogt fahen ließ und binden, Nach seiner Burg zu Küßnacht wollte führen. =Fischer.= Und sich mit euch zu Flüelen eingeschifft, Wir wissen Alles. Sprecht, wie ihr entkommen? =Tell.= Ich lag im Schiff mit Stricken fest gebunden, Wehrlos, ein aufgegebner Mann -- Nicht hofft’ ich, Das frohe Licht der Sonne mehr zu sehn, Die Gattin und der Kinder liebes Antlitz, Und trostlos blickt’ ich in die Wasserwüste -- =Fischer.= O armer Mann! =Tell.= So fuhren wir dahin, Der Vogt, Rudolph der Harras und die Knechte. Mein Köcher aber mit der Armbrust lag Am hintern Gransen bei dem Steuerruder. Und, als wir an die Ecke jetzt gelangt Beim kleinen Axen, da verhängt’ es Gott, Daß solch ein grausam mördrisch Ungewitter Gählings herfürbrach aus des Gotthardts Schlünden, Daß allen Ruderern das Herz entsank, Und meinten Alle, elend zu ertrinken. Da hört’ ich’s, wie der Diener einer sich Zum Landvogt wendet’ und die Worte sprach: Ihr sehet eure Noth und unsre, Herr, Und daß wir All’ am Rand des Todes schweben -- Die Steuerleute aber wissen sich Vor großer Furcht nicht Rath und sind des Fahrens Nicht wohl berichtet -- Nun aber ist der Tell Ein starker Mann und weiß ein Schiff zu steuern. Wie, wenn wir sein jetzt brauchten in der Noth? Da sprach der Vogt zu mir: Tell, wenn du dir’s Getrautest, uns zu helfen aus dem Sturm, So möcht’ ich dich der Bande wohl entled’gen. Ich aber sprach: Ja, Herr, mit Gottes Hülfe Getrau’ ich mir’s und helf’ uns wohl hiedannen. So ward ich meiner Bande los und stand Am Steuerruder und fuhr redlich hin: Doch schielt ich seitwärts, wo mein Schießzeug lag, Und an dem Ufer merkt’ ich scharf umher, Wo sich ein Vortheil aufthät zum Entspringen. Und, wie ich eines Felsenriffs gewahre, Das abgeplattet vorsprang in den See -- =Fischer.= Ich kenn’s, es ist am Fuß des großen Axen, Doch nicht für möglich acht’ ich’s -- so gar steil Geht’s an -- vom Schiff es springend abzureichen -- =Tell.= Schrie ich den Knechten, handlich zuzugehn, Bis daß wir vor die Felsenplatte kämen, Dort, rief ich, sey das Aergste überstanden -- Und, als wir sie frischrudernd bald erreicht, Fleh’ ich die Gnade Gottes an und drücke, Mit allen Leibeskräften angestemmt, Den hintern Gransen an die Felswand hin. Jetzt, schnell mein Schießzeug fassend, schwing ich selbst Hochspringend auf die Platte