Chapter 6 of 11
Wilhelm Tell — Teil 6
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mich, ihr verachtet mich! =Bertha.= Thät’ ich’s, mir wäre besser -- Aber den Verachtet +sehen+ und verachtungswerth, Den man gern lieben möchte -- =Rudenz.= Bertha! Bertha! Ihr zeiget mir das höchste Himmelsglück Und stürzt mich tief in +einem+ Augenblick. =Bertha.= Nein, nein! das Edle ist nicht ganz erstickt In euch! Es schlummert nur, ich will es wecken; Ihr müßt Gewalt ausüben an euch selbst, Die angestammte Tugend zu ertödten; Doch, wohl euch! sie ist mächtiger, als ihr, Und trotz euch selber seyd ihr gut und edel! =Rudenz.= Ihr glaubt an mich? O Bertha, Alles läßt Mich eure Liebe seyn und werden! =Bertha.= Seyd, Wozu die herrliche Natur euch machte! Erfüllt den Platz, wohin sie euch gestellt! Zu eurem Volke steht und eurem Lande, Und kämpft für euer heilig Recht! =Rudenz.= Weh mir! Wie kann ich euch erringen, euch besitzen, Wenn ich der Macht des Kaisers widerstrebe? Ist’s der Verwandten mächt’ger Wille nicht, Der über eure Hand tyrannisch waltet? =Bertha.= In den Waldstätten liegen meine Güter, Und, ist der Schweizer frei, so bin auch ich’s. =Rudenz.= Bertha, welch einen Blick thut ihr mir auf! =Bertha.= Hofft nicht durch Oestreichs Gunst mich zu erringen; Nach meinem Erbe strecken sie die Hand, Das will man mit dem großen Erb’ vereinen. Dieselbe Ländergier, die eure Freiheit Verschlingen will, sie drohet auch der meinen! -- O Freund, zum Opfer bin ich ausersehn, Vielleicht, um einen Günstling zu belohnen -- Dort, wo die Falschheit und die Ränke wohnen, Hin an den Kaiserhof will man mich ziehn; Dort harren mein verhaßter Ehe Ketten; Die Liebe nur -- die eure kann mich retten! =Rudenz.= Ihr könntet euch entschließen, hier zu leben, In meinem Vaterlande mein zu seyn? O Bertha, all’ mein Sehnen in die Weite, Was war es, als ein Streben nur nach euch? Euch sucht’ ich einzig auf dem Weg des Ruhms, Und all mein Ehrgeiz war nur meine Liebe. Könnt ihr mit mir euch in das stille Thal Einschließen und der Erde Glanz entsagen -- O, dann ist meines Strebens Ziel gefunden; Dann mag der Strom der wildbewegten Welt Ans sichre Ufer dieser Berge schlagen -- Kein flüchtiges Verlangen hab’ ich mehr Hinaus zu senden in des Lebens Weiten -- Dann mögen diese Felsen um uns her Die undurchdringlich feste Mauer breiten, Und dieß verschloßne sel’ge Thal allein Zum Himmel offen und gelichtet seyn! =Bertha.= Jetzt bist du ganz, wie dich mein ahnend Herz Geträumt, mich hat mein Glaube nicht betrogen! =Rudenz.= Fahr hin, du eitler Wahn, der mich bethört! Ich soll das Glück in meiner Heimat finden. Hier, wo der Knabe fröhlich aufgeblüht, Wo tausend Freudespuren mich umgeben, Wo alle Quellen mir und Bäume leben, Im Vaterland willst du die Meine werden! Ach, wohl hab’ ich es stets geliebt! Ich fühl’s, Es fehlte mir zu jedem Glück der Erden. =Bertha.= Wo wär’ die sel’ge Insel aufzufinden, Wenn sie nicht hier ist, in der Unschuld Land, Hier, wo die alte Treue heimisch wohnt, Wo sich die Falschheit noch nicht hingefunden? Da trübt kein Neid die Quelle unsers Glücks, Und ewig hell entfliehen uns die Stunden. -- Da seh’ ich +dich+ im echten Männerwerth, Den Ersten von den Freien und den Gleichen, Mit reiner, freier Huldigung verehrt, Groß, wie ein König wirkt in seinen Reichen. =Rudenz.= Da seh’ ich +dich+, die Krone aller Frauen, In weiblich reizender Geschäftigkeit, In meinem Haus den Himmel mir erbauen Und, wie der Frühling seine Blumen streut, Mit schöner Anmuth mir das Leben schmücken Und Alles rings beleben und beglücken! =Bertha.= Sieh, theurer Freund, warum ich trauerte, Als ich dies höchste Lebensglück dich selbst Zerstören sah -- Weh mir! Wie ständ’s um mich, Wenn ich dem stolzen Ritter müßte folgen, Dem Landbedrücker, auf sein finstres Schloß! -- Hier ist kein Schloß. Mich scheiden keine Mauern Von einem Volk, das ich beglücken kann! =Rudenz.= Doch wie mich retten -- wie die Schlinge lösen, Die ich mir thöricht selbst ums Haupt gelegt? =Bertha.= Zerreiße sie mit männlichem Entschluß. Was auch draus werde -- steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz. (Jagdhörner in der Ferne.) =Bertha.= Die Jagd Kommt näher -- fort, wir müssen scheiden -- Kämpfe Fürs Vaterland, du kämpfst für deine Liebe! Es ist +ein+ Feind, vor dem wir alle zittern, Und +eine+ Freiheit macht uns Alle frei! (Gehen ab.) Dritte Scene. +Wiese bei Altorf.+ Im Vordergrunde Bäume, in der Tiefe der Hut auf einer Stange. Der Prospekt wird begränzt durch den Bannberg, über welchem ein Schneegebirg emporragt. =Frießhardt= und =Leuthold= halten Wache. =Frießhardt.= Wir passen auf umsonst. Es will sich Niemand Heran begeben und dem Hut sein’ Reverenz Erzeigen. ’s war doch sonst wie Jahrmarkt hier; Jetzt ist der ganze Anger wie verödet; Seitdem der Popanz auf der Stange hängt. =Leuthold.= Nur schlecht Gesindel läßt sich sehn und schwingt Uns zum Verdrieße die zerlumpten Mützen. Was rechte Leute sind, die machen lieber Den langen Umweg um den halben Flecken, Eh sie den Rücken beugten vor dem Hut. =Frießhardt.= Sie müssen über diesen Platz, wenn sie Vom Rathhaus kommen um die Mittagsstunde. Da meint’ ich schon, ’nen guten Fang zu thun, Denn Keiner dachte dran, den Hut zu grüßen. Da sieht’s der Pfaff, der Rösselmann -- kam just Von einem Kranken her -- und stellt sich hin Mit dem Hochwürdigen, grad’ vor die Stange -- Der Sigrist mußte mit dem Glöcklein schellen; Da fielen All’ aufs Knie, ich selber mit, Und grüßten die Monstranz, doch nicht den Hut. =Leuthold.= Höre, Gesell, es fängt mir an zu däuchten, Wir stehen hier am Pranger vor dem Hut; ’s ist doch ein Schimpf für einen Reitersmann, Schildwach zu stehn vor einem leeren Hut -- Und jeder rechte Kerl muß uns verachten. -- Die Reverenz zu machen einem Hut, Es ist doch, traun, ein närrischer Befehl! =Frießhardt.= Warum nicht einem leeren, hohlen Hut! Bückst du dich doch vor manchem hohlen Schädel. =Hildegard=, =Mechthild= und =Elsbeth= treten auf mit Kindern und stellen sich um die Stange. =Leuthold.= Und du bist auch so ein dienstfert’ger Schurke Und brächtest wackre Leute gern ins Unglück. Mag, wer da will, am Hut vorübergehn, Ich drück’ die Augen zu und seh’ nicht hin. =Mechthild.= Da hängt der Landvogt -- habt Respect, ihr Buben! =Elsbeth.= Wollt’s Gott, er ging’ und ließ’ uns seinen Hut; Es sollte drum nicht schlechter stehn ums Land! =Frießhardt= (verscheucht sie). Wollt ihr vom Platz! Verwünschtes Volk der Weiber! Wer fragt nach euch! Schickt eure Männer her, Wenn sie der Muth sticht, dem Befehl zu trotzen. (Weiber gehen). =Tell= mit der Armbrust tritt auf, den Knaben an der Hand führend; sie gehen an dem Hut vorbei gegen die vordere Scene, ohne darauf zu achten. =Walther= (zeigt nach dem Bannberg). Vater, ist’s wahr, daß auf dem Berge dort Die Bäume bluten, wenn man einen Streich Drauf führte mit der Axt -- =Tell.= Wer sagt das, Knabe? =Walther.= Der Meister Hirt erzählt’s -- Die Bäume seyen Gebannt, sagt er, und, wer sie schädige, Dem wachse seine Hand heraus zum Grabe. =Tell.= Die Bäume sind gebannt, das ist die Wahrheit. -- Siehst du die Firnen dort, die weißen Hörner, Die hoch bis in den Himmel sich verlieren? =Walther.= Das sind die Gletscher, die des Nachts so donnern Und uns die Schlaglawinen niedersenden. =Tell.= So ist’s, und die Lawinen hätten längst Den Flecken Altorf unter ihrer Last Verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht Als eine Landwehr sich dagegen stellte. =Walther= (nach einigem Besinnen). Gibt’s Länder, Vater, wo nicht Berge sind? =Tell.= Wenn man hinunter steigt von unsern Höhen Und immer tiefer steigt, den Strömen nach, Gelangt man in ein großes, ebnes Land, Wo die Waldwasser nicht mehr brausend schäumen, Die Flüsse ruhig und gemächlich ziehn; Da sieht man frei nach allen Himmelsräumen, Das Korn wächst dort in langen, schönen Auen Und wie ein Garten ist das Land zu schauen. =Walther.= Ei, Vater, warum steigen wir denn nicht Geschwind hinab in dieses schöne Land, Statt daß wir hier uns ängstigen und plagen. =Tell.= Das Land ist schön und gütig, wie der Himmel; Doch, die’s bebauen, +sie+ genießen nicht Den Segen, den sie pflanzen. =Walther.= Wohnen sie Nicht frei, wie du, auf ihrem eignen Erbe? =Tell.= Das Feld gehört dem Bischof und dem König. =Walther.= So dürfen sie doch frei in Wäldern jagen? =Tell.= Dem Herrn gehört das Wild und das Gefieder. =Walther.= Sie dürfen doch frei fischen in dem Strom? =Tell.= Der Strom, das Meer, das Salz gehört dem König. =Walther.= Wer ist der König denn, den Alle fürchten? =Tell.= Es ist der Eine, der sie schützt und nährt. =Walther.= Sie können sich nicht muthig selbst beschützen? =Tell.= Dort darf der Nachbar nicht dem Nachbar trauen. =Walther.= Vater, es wird mir eng im weiten Land; Da wohn’ ich lieber unter den Lawinen. =Tell.= Ja, wohl ist’s besser, Kind, die Gletscherberge Im Rücken haben, als die bösen Menschen. (Sie wollen vorüber gehen.) =Walther.= Ei, Vater, sieh den Hut dort auf der Stange. =Tell.= Was kümmert uns der Hut! Komm, laß uns gehen. (Indem er abgehen will, tritt ihm Frießhardt mit vorgehaltener Pike entgegen.) =Frießhardt.= In des Kaisers Namen! Haltet an und steht! =Tell= (greift in die Pike). Was wollt ihr? Warum haltet ihr mich auf? =Frießhardt.= Ihr habt’s Mandat verletzt; ihr müßt uns folgen. =Leuthold.= Ihr habt dem Hut nicht Reverenz bewiesen. =Tell.= Freund, laß mich gehen. =Frießhardt.= Fort, fort ins Gefängniß! =Walther.= Den Vater ins Gefängniß! Hülfe! Hülfe! (In die Scene rufend.) Herbei, ihr Männer, gute Leute, helft! Gewalt! Gewalt! Sie führen ihn gefangen. =Rösselmann=, +der Pfarrer+, und =Petermann=, +der Sigrist+, kommen herbei, mit drei andern Männern. =Sigrist.= Was gibt’s? =Rösselmann.= Was legst du Hand an diesen Mann? =Frießhardt.= Er ist ein Feind des Kaisers, ein Verräther? =Tell= (faßt ihn heftig). Ein Verräther, ich! =Rösselmann.= Du irrst dich, Freund! Das ist Der Tell, ein Ehrenmann und guter Bürger. =Walther= (erblickt Walther Fürsten und eilt ihm entgegen). Großvater, hilf! Gewalt geschieht dem Vater. =Frießhardt.= Ins Gefängniß, fort! =Walther Fürst= (herbeieilend). Ich leiste Bürgschaft, haltet! -- Um Gottes willen, Tell, was ist geschehen? =Melchthal= und =Stauffacher= kommen. =Frießhardt.= Des Landvogts oberherrliche Gewalt Verachtet er und will sie nicht erkennen. =Stauffacher.= Das hätt’ der Tell gethan? =Melchthal.= Das lügst du, Bube! =Leuthold.= Er hat dem Hut nicht Reverenz bewiesen. =Walther Fürst.= Und darum soll er ins Gefängniß? Freund, Nimm meine Bürgschaft an und laß ihn ledig. =Frießhardt.= Bürg du für dich und deinen eignen Leib! Wir thun, was unsers Amtes -- Fort mit ihm! =Melchthal= (zu den Landleuten). Nein, das ist schreiende Gewalt! Ertragen wir’s, Daß man ihn fortführt, frech, vor unsern Augen? =Sigrist.= Wir sind die Stärkern. Freunde, duldet’s nicht! Wir haben einen Rücken an den Andern. =Frießhardt.= Wer widersetzt sich dem Befehl des Vogts? =Noch drei Landleute= (herbeieilend). Wir helfen euch. Was gibt’s? Schlagt sie zu Boden! (Hildegard, Mechthild und Elsbeth kommen zurück.) =Tell.= Ich helfe mir schon selbst. Geht, gute Leute. Meint ihr, wenn ich die Kraft gebrauchen wollte, Ich würde mich vor ihren Spießen fürchten? =Melchthal= (zu Frießhardt). Wag’s, ihn aus unsrer Mitte wegzuführen! =Walther Fürst= und =Stauffacher=. Gelassen! ruhig! =Frießhardt= (schreit). Aufruhr und Empörung! (Man hört Jagdhörner). =Weiber.= Da kommt der Landvogt! =Frießhardt= (erhebt die Stimme). Meuterei! Empörung! =Stauffacher.= Schrei, bis du berstest, Schurke! =Rösselmann= und =Melchthal=. Willst du schweigen? =Frießhardt= (ruft noch lauter). Zu Hülf, zu Hülf den Dienern des Gesetzes! =Walther Fürst.= Da ist der Vogt! Weh uns, was wird das werden! =Geßler= zu Pferd, den Falken auf der Faust, =Rudolph der Harras=, =Bertha= und =Rudenz=, ein großes Gefolge von bewaffneten Knechten, welche einen Kreis von Piken um die ganze Scene schließen. =Rudolph der Harras.= Platz, Platz dem Landvogt! =Geßler.= Treibt sie auseinander! Was läuft das Volk zusammen? Wer ruft zu Hülfe? (Allgemeine Stille.) Wer war’s? Ich will es wissen. (Zu Frießhardt.) Du tritt vor! Wer bist du, und was hältst du diesen Mann? (Er gibt den Falken einem Diener.) =Frießhardt.= Gestrenger Herr, ich bin dein Waffenknecht Und wohlbestellter Wächter bei dem Hut. Diesen Mann ergriff ich über frischer That, Wie er dem Hut den Ehrengruß versagte. Verhaften wollt’ ich ihn, wie du befahlst, Und mit Gewalt will ihn das Volk entreißen. =Geßler= (nach einer Pause). Verachtest du +so+ deinen Kaiser, Tell, Und +mich+, der hier an seiner Statt gebietet, Daß du die Ehr’ versagst dem Hut, den ich Zur Prüfung des Gehorsams aufgehangen? Dein böses Trachten hast du mir verrathen. =Tell.= Verzeiht mir, lieber Herr! Aus Unbedacht, Nicht aus Verachtung eurer ist’s geschehn. Wär’ ich besonnen, hieß ich nicht der Tell. Ich bitt’ um Gnad’, es soll nicht mehr begegnen. =Geßler= (nach einigem Stillschweigen). Du bist ein Meister auf der Armbrust, Tell, Man sagt, du nehmst es auf mit jedem Schützen? =Walther.= Und das muß wahr seyn, Herr, ’nen Apfel schießt Der Vater dir vom Baum auf hundert Schritte. =Geßler.= Ist das dein Knabe, Tell? =Tell.= Ja, lieber Herr. =Geßler.= Hast du der Kinder mehr? =Tell.= Zwei Knaben, Herr. =Geßler.= Und welcher ist’s, den du am meisten liebst? =Tell.= Herr, beide sind sie mir gleich liebe Kinder. =Geßler.= Nun, Tell! weil du den Apfel triffst vom Baume Auf hundert Schritt, so wirst du deine Kunst Vor mir bewähren müssen. -- Nimm die Armbrust -- Du hast sie gleich zur Hand -- und mach dich fertig, Einen Apfel von des Knaben Kopf zu schießen -- Doch, will ich rathen, ziele gut, daß du Den Apfel treffest auf den ersten Schuß; Denn, fehlst du ihn, so ist dein Kopf verloren. (Alle geben Zeichen des Schreckens.) =Tell.= Herr -- welches Ungeheure sinnet ihr Mir an? -- Ich soll vom Haupte meines Kindes -- -- Nein, nein doch, lieber Herr, das kommt euch nicht Zu Sinn -- Verhüt’s der gnäd’ge Gott -- Das könnt ihr Im Ernst von einem Vater nicht begehren! =Geßler.= Du wirst den Apfel schießen von dem Kopf Des Knaben -- ich begehr’s und will’s. =Tell.= Ich soll Mit meiner Armbrust auf das liebe Haupt Des eignen Kindes zielen? -- Eher sterb’ ich! =Geßler.= Du schießest oder stirbst +mit+ deinem Knaben. =Tell.= Ich soll der Mörder werden meines Kinds! Herr, ihr habt keine Kinder -- wisset nicht, Was sich bewegt in eines Vaters Herzen. =Geßler.= Ei, Tell, du bist ja plötzlich so besonnen! Man sagte mir, daß du ein Träumer seyst Und dich entfernst von andrer Menschen Weise. Du liebst das Seltsame -- drum hab’ ich jetzt Ein eigen Wagstück für dich ausgesucht. Ein Andrer wohl bedächte sich -- du drückst Die Augen zu, und greifst es herzhaft an. =Bertha.= Scherzt nicht, o Herr, mit diesen armen Leuten! Ihr seht sie bleich und zitternd stehn -- So wenig Sind sie Kurzweils gewohnt aus eurem Munde. =Geßler.= Wer sagt euch, daß ich scherze? (Greift nach einem Baumzweige, der über ihn herhängt.) Hier ist der Apfel. Man mache Raum -- er nehme seine Weite, Wie’s Brauch ist -- achtzig Schritte geb’ ich ihm -- Nicht weniger, noch mehr -- Er rühmte sich, Auf ihrer hundert seinen Mann zu treffen -- Jetzt, Schütze, triff, und fehle nicht das Ziel! =Rudolph der Harras.= Gott, das wird ernsthaft -- Falle nieder, Knabe, Es gilt, und fleh’ den Landvogt um dein Leben! =Walther Fürst= (beiseite zu Melchthal, der kaum seine Ungeduld bezwingt). Haltet an euch! ich fleh’ euch drum, bleibt ruhig! =Bertha= (zum Landvogt). Laßt es genug seyn, Herr! Unmenschlich ist’s, Mit eines Vaters Angst also zu spielen. Wenn dieser arme Mann auch Leib und Leben Verwirkt durch seine leichte Schuld, bei Gott! Er hätte jetzt zehnfachen Tod empfunden. Entlaßt ihn ungekränkt in seine Hütte, Er hat euch kennen lernen; dieser Stunde Wird er und seine Kindeskinder denken. =Geßler.= Oeffnet die Gasse -- Frisch, was zauderst du? Dein Leben ist verwirkt, ich kann dich tödten; Und, sieh, ich lege gnädig dein Geschick In deine eigne kunstgeübte Hand. Der kann nicht klagen über harten Spruch, Den man zum Meister seines Schicksals macht. Du rühmst dich deines sichern Blicks. Wohlan! Hier gilt es, +Schütze+, deine Kunst zu zeigen; Das Ziel ist würdig, und der Preis ist groß! Das Schwarze treffen in der Scheibe, +das+ Kann auch ein Andrer; +der+ ist mir der Meister, Der seiner Kunst gewiß ist überall, Dem ’s Herz nicht in die Hand tritt, noch ins Auge. =Walther Fürst= (wirft sich vor ihm nieder). Herr Landvogt, wir erkennen eure Hoheit; Doch lasset Gnad’ für Recht ergehen, nehmt Die Hälfte meiner Habe, nehmt sie ganz! Nur dieses Gräßliche erlasset einem Vater! =Walther Tell.= Großvater, knie nicht vor dem falschen Mann! Sagt, wo ich hinstehn soll. Ich fürcht’ mich nicht. Der Vater trifft den Vogel ja im Flug, Er wird nicht fehlen auf das Herz des Kindes. =Stauffacher.= Herr Landvogt, rührt euch nicht des Kindes Unschuld? =Rösselmann.= O, denket, daß ein Gott im Himmel ist, Dem ihr müßt Rede stehn für eure Thaten. =Geßler= (zeigt auf den Knaben). Man bind’ ihn an die Linde dort! =Walther Tell.= Mich binden! Nein, ich will nicht gebunden seyn. Ich will Still halten, wie ein Lamm, und auch nicht athmen. Wenn ihr mich bindet, nein, so kann ich’s nicht,