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Wilhelm Tell

Chapter 10 of 11

Wilhelm Tell — Teil 10

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er +nur+ unser Edelmann gewesen, Wir hätten unser Leben wohl geliebt; Doch er war unser Eidgenoß, und Bertha Ehrte das Volk -- So setzten wir getrost Das Leben dran und stürzten in das Feuer. =Walther Fürst.= Sie ist gerettet? =Melchthal.= Sie ist’s. Rudenz und ich, Wir trugen sie selbander aus den Flammen, Und hinter uns fiel krachend das Gebälk. -- Und jetzt, als sie gerettet sich erkannte, Die Augen aufschlug zu dem Himmelslicht, Jetzt stürzte mir der Freiherr an das Herz, Und schweigend ward ein Bündniß jetzt beschworen, Das fest gehärtet in des Feuers Glut Bestehen wird in allen Schicksalsproben -- =Walther Fürst.= Wo ist der Landenberg? =Melchthal.= Ueber den Brünig. Nicht lag’s an mir, daß er das Licht der Augen Davontrug, der den Vater mir geblendet. Nach jagt’ ich ihm, erreicht’ ihn auf der Flucht Und riß ihn zu den Füßen meines Vaters. Geschwungen über ihn war schon das Schwert; Von der Barmherzigkeit des blinden Greises Erhielt er flehend das Geschenk des Lebens. +Urphede+ schwur er, nie zurück zu kehren; Er wird sie halten; unsern Arm hat er Gefühlt. =Walther Fürst.= Wohl euch, daß ihr den reinen Sieg Mit Blute nicht geschändet! =Kinder= (eilen mit Trümmern des Gerüstes über die Scene). Freiheit! Freiheit! (Das Horn von Uri wird mit Macht geblasen.) =Walther Fürst.= Seht, welch ein Fest! Des Tages werden sich Die Kinder spät als Greise noch erinnern. (Mädchen bringen den Hut auf einer Stange getragen; die ganze Scene füllt sich mit Volk an.) =Ruodi.= Hier ist der Hut, dem wir uns beugen mußten. =Baumgarten.= Gebt uns Bescheid, was damit werden soll. =Walther Fürst.= Gott! Unter diesem Hute stand mein Enkel. =Mehrere Stimmen.= Zerstört das Denkmal der Tyrannenmacht! Ins Feuer mit ihm! =Walther Fürst.= Nein, laßt ihn aufbewahren! Der Tyrannei mußt’ er zum Werkzeug dienen; Er soll der Freiheit ewig Zeichen seyn! (Die Landleute, Männer, Weiber und Kinder stehen und sitzen auf den Balken des zerbrochenen Gerüstes malerisch gruppirt in einem großen Halbkreis umher.) =Melchthal.= So stehen wir nun fröhlich auf den Trümmern Der Tyrannei, und herrlich ist’s erfüllt, Was wir im Rütli schwuren, Eidgenossen! =Walther Fürst.= Das Werk ist angefangen, nicht vollendet. Jetzt ist uns Muth und feste Eintracht noth; Denn, seyd gewiß, nicht säumen wird der König, Den Tod zu rächen seines Vogts, und den Vertriebnen mit Gewalt zurück zu führen. =Melchthal.= Er zieh’ heran mit seiner Heeresmacht! Ist aus dem Innern doch der Feind verjagt; Dem Feind von Außen wollen wir begegnen. =Ruodi.= Nur wen’ge Pässe öffnen ihm das Land, Die wollen wir mit unsern Leibern decken. =Baumgarten.= Wir sind vereinigt durch ein ewig Band, Und seine Heere sollen uns nicht schrecken. =Rösselmann= und =Stauffacher= kommen. =Rösselmann= (im Eintreten). Das sind des Himmels furchtbare Gerichte. =Landleute.= Was gibt’s? =Rösselmann.= In welchen Zeiten leben wir! =Walther Fürst.= Sagt an, was ist es? Ha, seyd ihr’s, Herr Werner? Was bringt ihr uns? =Landleute.= Was gibt’s? =Rösselmann.= Hört und erstaunt! =Stauffacher.= Von einer großen Furcht sind wir befreit -- =Rösselmann.= Der Kaiser ist ermordet. =Walther Fürst.= Gnäd’ger Gott! (Landleute machen einen Aufstand und umdrängen den Stauffacher.) =Alle.= Ermordet! Was? Der Kaiser! Hört! Der Kaiser! =Melchthal.= Nicht möglich! Woher kam euch diese Kunde? =Stauffacher.= Es ist gewiß. Bei Bruck fiel König Albrecht Durch Mörders Hand -- ein glaubenswerther Mann, +Johannes Müller+, bracht’ es von Schaffhausen. =Walther Fürst.= Wer wagte solche grauenvolle That? =Stauffacher.= Sie wird noch grauenvoller durch den Thäter. Es war sein Neffe, seines Bruders Kind, Herzog Johann von Schwaben, der’s vollbrachte. =Melchthal.= Was trieb ihn zu der That des Vatermords? =Stauffacher.= Der Kaiser hielt das väterliche Erbe Dem ungeduldig Mahnenden zurück; Es hieß, er denk’ ihn ganz darum zu kürzen, Mit einem Bischofshut ihn abzufinden. Wie dem auch sey -- der Jüngling öffnete Der Waffenfreunde bösem Rath sein Ohr, Und mit den edeln Herrn von +Eschenbach+, Von +Tegerfelden+, von der +Wart+ und +Palm+ Beschloß er, da er Recht nicht konnte finden, Sich Rach’ zu holen mit der eignen Hand. =Walther Fürst.= O, sprecht, wie ward das Gräßliche vollendet? =Stauffacher.= Der König ritt herab vom Stein zu Baden, Gen Rheinfeld, wo die Hofstatt war, zu ziehn, Mit ihm die Fürsten +Hans+ und +Leopold+ Und ein Gefolge hochgeborner Herren. Und, als sie kamen an die +Reuß+, wo man Auf einer Fähre sich läßt übersetzen, Da drängten sich die Mörder in das Schiff, Daß sie den Kaiser vom Gefolge trennten. Drauf, als der Fürst durch ein geackert Feld Hinreitet -- eine alte große Stadt Soll drunter liegen aus der Heidenzeit -- Die alte Veste Habsburg im Gesicht, Wo seines Stammes Hoheit ausgegangen -- Stößt Herzog Hans den Dolch ihm in die Kehle, Rudolph von Palm durchrennt ihn mit dem Speer, Und Eschenbach zerspaltet ihm das Haupt, Daß er heruntersinkt in seinem Blut, Gemordet von den Seinen +auf+ dem Seinen. Am andern Ufer sahen sie die That; Doch, durch den Strom geschieden, konnten sie Nur ein ohnmächtig Wehgeschrei erheben; Am Wege aber saß ein armes Weib, In ihrem Schooß verblutete der Kaiser. =Melchthal.= So hat er nur sein frühes Grab gegraben, Der unersättlich Alles wollte haben! =Stauffacher.= Ein ungeheurer Schrecken ist im Land umher; Gesperrt sind alle Pässe des Gebirgs; Jedweder Stand verwahret seine Gränzen; Die alte Zürich selbst schloß ihre Thore, Die dreißig Jahr lang offen standen, zu, Die Mörder fürchtend und noch mehr -- die Rächer. Denn, mit des Bannes Fluch bewaffnet, kommt Der Ungarn Königin, die strenge Agnes, Die nicht die Milde kennet ihres zarten Geschlechts, des Vaters königliches Blut Zu rächen an der Mörder ganzem Stamm, An ihren Knechten, Kindern, Kindeskindern, Ja, an den Steinen ihrer Schlösser selbst. Geschworen hat sie, ganze Zeugungen Hinabzusenden in des Vaters Grab, In Blut sich, wie in Maienthau, zu baden. =Melchthal.= Weiß man, wo sich die Mörder hingeflüchtet? =Stauffacher.= Sie flohen alsbald nach vollbrachter That Auf fünf verschiednen Straßen auseinander Und trennten sich, um nie sich mehr zu sehn -- Herzog Johann soll irren im Gebirge. =Walther Fürst.= So trägt die Unthat ihnen keine Frucht! Rache trägt keine Frucht! Sich selbst ist sie Die fürchterliche Nahrung, ihr Genuß Ist Mord, und ihre Sättigung das Grausen. =Stauffacher.= Den Mördern bringt die Unthat nicht Gewinn; +Wir+ aber brechen mit der reinen Hand Des blut’gen Frevels segenvolle Frucht. Denn einer großen Furcht sind wir entledigt: Gefallen ist der Freiheit größter Feind, Und, wie verlautet, wird das Scepter gehn Aus Habsburgs Haus zu einem andern Stamm; Das Reich will seine Wahlfreiheit behaupten. =Walther Fürst= und =Mehrere=. Vernahmt ihr was? =Stauffacher.= Der Graf von Luxemburg Ist von den mehrsten Stimmen schon bezeichnet. =Walther Fürst.= Wohl uns, daß wir beim Reiche treu gehalten; Jetzt ist zu hoffen auf Gerechtigkeit! =Stauffacher.= Dem neuen Herrn thun tapfre Freunde noth; Er wird uns schirmen gegen Oestreichs Rache. (Die Landleute umarmen einander.) =Sigrist= mit einem =Reichsboten=. =Sigrist.= Hier sind des Landes würd’ge Oberhäupter. =Rösselmann= und =Mehrere=. Sigrist, was gibt’s? =Sigrist.= Ein Reichsbot bringt dies Schreiben. =Alle= (zu Walther Fürst). Erbrecht und leset. =Walther Fürst= (liest). „Den bescheidnen Männern Von Uri, Schwytz und Unterwalden bietet Die Königin Elsbeth Gnad’ und alles Guts.“ =Viele Stimmen.= Was will die Königin? Ihr Reich ist aus. =Walther Fürst= (liest). „In ihrem großen Schmerz und Wittwenleid, Worein der blut’ge Hinscheid ihres Herrn Die Königin versetzt, gedenkt sie noch Der alten Treu’ und Lieb der Schwytzerlande.“ =Melchthal.= In ihrem Glück hat sie das nie gethan. =Rösselmann.= Still! Lasset hören! =Walther Fürst= (liest). „Und sie versieht sich zu dem treuen Volk, Daß es gerechten Abscheu werde tragen Vor den verfluchten Thätern dieser That; Darum erwartet sie von den drei Landen, Daß sie den Mördern nimmer Vorschub thun, Vielmehr getreulich dazu helfen werden, Sie auszuliefern in des Rächers Hand, Der Lieb gedenkend und der alten Gunst, Die sie von Rudolphs Fürstenhaus empfangen.“ (Zeichen des Unwillens unter den Landleuten.) =Viele Stimmen.= Der Lieb’ und Gunst! =Stauffacher.= Wir haben Gunst empfangen von dem Vater; Doch wessen rühmen wir uns von dem Sohn? Hat er den Brief der Freiheit uns bestätigt, Wie +vor+ ihm alle Kaiser doch gethan? Hat er gerichtet nach gerechtem Spruch Und der bedrängten Unschuld Schutz verliehn? Hat er auch nur die Boten wollen hören, Die wir in unsrer Angst zu ihm gesendet? Nicht Eins von diesem Allen hat der König An uns gethan, und, hätten wir nicht selbst Uns Recht verschafft mit eigner muth’ger Hand, Ihn rührte unsre Noth nicht an -- Ihm Dank? Nicht Dank hat er gesät in diesen Thälern. Er stand auf einem hohen Platz, er konnte Ein Vater seiner Völker seyn; doch ihm Gefiel es, nur zu sorgen für die Seinen. Die er gemehrt hat, mögen um ihn weinen! =Walther Fürst.= Wir wollen nicht frohlocken seines Falls, Nicht des empfangnen Bösen +jetzt+ gedenken, Fern sey’s von uns! Doch, daß wir +rächen+ sollten Des Königs Tod, der nie uns Gutes that, Und die verfolgen, die uns nie betrübten, Das ziemt uns nicht und will uns nicht gebühren. Die Liebe will ein freies Opfer seyn; Der Tod entbindet von erzwungnen Pflichten! -- Ihm haben wir nichts weiter zu entrichten. =Melchthal.= Und weint die Königin in ihrer Kammer, Und klagt ihr wilder Schmerz den Himmel an, So seht ihr hier ein angstbefreites Volk Zu eben diesem Himmel dankend flehen -- Wer Thränen ernten will, muß Liebe säen. (Reichsbote geht ab.) =Stauffacher= (zu dem Volk). Wo ist der Tell? Soll er allein uns fehlen, Der unsrer Freiheit Stifter ist? Das Größte Hat +er+ gethan, das Härteste erduldet. Kommt Alle, kommt nach seinem Haus zu wallen, Und rufet Heil dem Retter von uns Allen. (Alle gehen ab.) Zweite Scene. +Tells Hausflur.+ Ein Feuer brennt auf dem Herd. Die offenstehende Thüre zeigt ins Freie. =Hedwig=, =Walther= und =Wilhelm=. =Hedwig.= Heut kommt der Vater. Kinder, liebe Kinder! Er lebt, ist frei, und wir sind frei und Alles! Und euer Vater ist’s, der’s Land gerettet. =Walther.= Und ich bin auch dabei gewesen, Mutter! Mich muß man auch mit nennen. Vaters Pfeil Ging mir am Leben hart vorbei, und ich Hab’ nicht gezittert. =Hedwig= (umarmt ihn). Ja, du bist mir wieder Gegeben! Zweimal hab’ ich dich geboren! Zweimal litt ich den Mutterschmerz um dich! Es ist vorbei -- ich hab’ euch beide, beide! Und heute kommt der liebe Vater wieder! =Ein Mönch= erscheint an der Hausthür. =Wilhelm.= Sieh, Mutter, sieh -- dort steht ein frommer Bruder; Gewiß wird er um eine Gabe flehn. =Hedwig.= Führ’ ihn herein, damit wir ihn erquicken; Er fühl’s, daß er ins Freudenhaus gekommen. (Geht hinein und kommt bald mit einem Becher wieder.) =Wilhelm= (zum Mönch). Kommt, guter Mann. Die Mutter will euch laben. =Walther.= Kommt, ruht euch aus und geht gestärkt von dannen. =Mönch= (scheu umherblickend mit zerstörten Zügen). Wo bin ich? Saget an, in welchem Lande? =Walther.= Seyd ihr verirret, daß ihr das nicht wißt? Ihr seyd zu Bürglen, Herr, im Lande Uri, Wo man hineingeht in das Schächenthal. =Mönch= (zur Hedwig, welche zurückkommt). Seyd ihr allein? Ist euer Herr zu Hause? =Hedwig.= Ich erwart’ ihn eben -- doch was ist euch, Mann? Ihr seht nicht aus, als ob ihr Gutes brächtet. -- Wer ihr auch seyd, ihr seyd bedürftig, nehmt! (Reicht ihm den Becher.) =Mönch.= Wie auch mein lechzend Herz nach Labung schmachtet, Nichts rühr’ ich an, bis ihr mir zugesagt -- =Hedwig.= Berührt mein Kleid nicht, tretet mir nicht nah, Bleibt ferne stehn, wenn ich euch hören soll. =Mönch.= Bei diesem Feuer, das hier gastlich lodert, Bei eurer Kinder theurem Haupt, das ich Umfasse -- (Ergreift den Knaben.) =Hedwig.= Mann, was sinnet ihr? Zurück Von meinen Kindern! -- Ihr seyd kein Mönch! Ihr seyd Es nicht! Der Friede wohnt in diesem Kleide; In euren Zügen wohnt der Friede nicht. =Mönch.= Ich bin der unglückseligste der Menschen. =Hedwig.= Das Unglück spricht gewaltig zu dem Herzen; Doch euer Blick schnürt mir das Innre zu. =Walther= (aufspringend). Mutter, der Vater! (Eilt hinaus.) =Hedwig.= O mein Gott! (Will nach, zittert und hält sich an.) =Wilhelm= (eilt nach). Der Vater! =Walther= (draußen). Da bist du wieder! =Wilhelm= (draußen). Vater, lieber Vater! =Tell= (draußen). Da bin ich wieder -- Wo ist eure Mutter? (Treten herein.) =Walther.= Da steht sie an der Thür’ und kann nicht weiter; So zittert sie für Schrecken und für Freude. =Tell.= O Hedwig! Hedwig! Mutter meiner Kinder! Gott hat geholfen -- uns trennt kein Tyrann mehr. =Hedwig= (an seinem Halse). O Tell! Tell! Welche Angst litt ich um dich! (Mönch wird aufmerksam.) =Tell.= Vergiß sie jetzt und lebe nur der Freude! Da bin ich wieder! Das ist meine Hütte! Ich stehe wieder auf dem Meinigen! =Wilhelm.= Wo aber hast du deine Armbrust, Vater? Ich seh’ sie nicht. =Tell.= Du wirst sie nie mehr sehn. An heil’ger Stätte ist sie aufbewahrt; Sie wird hinfort zu keiner Jagd mehr dienen. =Hedwig.= O Tell! Tell! (Tritt zurück, läßt seine Hand los.) =Tell.= Was erschreckt dich, liebes Weib? =Hedwig.= Wie -- +wie+ kommst du mir wieder? -- Diese Hand -- Darf ich sie fassen? -- Diese Hand -- o Gott! =Tell= (herzlich und muthig). Hat euch vertheidigt und das Land gerettet; Ich darf sie frei hinauf zum Himmel heben. (Mönch macht eine rasche Bewegung, er erblickt ihn.) Wer ist der Bruder hier? =Hedwig.= Ach, ich vergaß ihn! Sprich du mit ihm, mir graut in seiner Nähe. =Mönch= (tritt näher). Seyd ihr der Tell, durch den der Landvogt fiel? =Tell.= Der bin ich, ich verberg’ es keinem Menschen. =Mönch.= Ihr seyd der Tell! Ach, es ist Gottes Hand, Die unter euer Dach mich hat geführt. =Tell= (mißt ihn mit den Augen). Ihr seyd kein Mönch! Wer seyd ihr? =Mönch.= Ihr erschlugt Den Landvogt, der euch Böses that -- Auch ich Hab’ einen Feind erschlagen, der mir Recht Versagte -- Er war euer Feind, wie meiner -- Ich hab’ das Land von ihm befreit. =Tell= (zurückfahrend). Ihr seyd -- Entsetzen! -- Kinder! Kinder, geht hinein! Geh’, liebes Weib! Geh’, geh’! -- Unglücklicher! Ihr wäret -- =Hedwig.= Gott, wer ist es? =Tell.= Frage nicht! Fort, fort! Die Kinder dürfen es nicht hören. Geh’ aus dem Hause -- weit hinweg -- Du darfst Nicht unter einem Dach mit diesem wohnen. =Hedwig.= Weh mir, was ist das? Kommt! (Geht mit den Kindern.) =Tell= (zu dem Mönch). Ihr seyd der Herzog Von Oesterreich -- Ihr seyd’s! Ihr habt den Kaiser Erschlagen, euern Ohm und Herrn. =Johannes Parricida.= Er war Der Räuber meines Erbes. =Tell.= Euern Ohm Erschlagen, euern Kaiser! Und euch trägt Die Erde noch! Euch leuchtet noch die Sonne! =Parricida.= Tell, hört mich, eh’ ihr -- =Tell.= Von dem Blute triefend Des Vatermordes und des Kaisermords, Wagst du zu treten in mein reines Haus? Du wagst’s, dein Antlitz einem guten Menschen Zu zeigen und das Gastrecht zu begehren? =Parricida.= Bei euch hofft’ ich Barmherzigkeit zu finden; Auch ihr nahmt Rach’ an eurem Feind. =Tell.= Unglücklicher! Darfst du der Ehrsucht blut’ge Schuld vermengen Mit der gerechten Nothwehr eines Vaters? Hast du der Kinder liebes Haupt vertheidigt? Des Herdes Heiligthum beschützt? das Schrecklichste, Das Letzte von den Deinen abgewehrt? -- Zum Himmel heb’ ich meine reinen Hände, Verfluche dich und deine That -- Gerächt Hab’ ich die heilige Natur, die +du+ Geschändet -- Nichts theil’ ich mit dir -- Gemordet Hast +du+, +ich+ hab’ mein Theuerstes vertheidigt. =Parricida.= Ihr stoßt mich von euch, trostlos, in Verzweiflung? =Tell.= Mich faßt ein Grausen, da ich mit dir rede. Fort! Wandle deine fürchterliche Straße! Laß rein die Hütte, wo die Unschuld wohnt! =Parricida= (wendet sich zu gehen). So +kann ich+, und +so will+ ich nicht mehr leben! =Tell.= Und doch erbarmt mich deiner -- Gott des Himmels! So jung, von solchem adeligen Stamm, Der Enkel Rudolphs, meines Herrn und Kaisers, Als Mörder flüchtig, hier an meiner Schwelle, Des armen Mannes -- flehend und verzweifelnd -- (Verhüllt sich das Gesicht.) =Parricida.= O, wenn ihr weinen könnt, laßt mein Geschick Euch jammern; es ist fürchterlich -- Ich bin Ein Fürst -- ich +war’s+ -- ich konnte glücklich werden, Wenn ich der Wünsche Ungeduld bezwang. Der Neid zernagte mir das Herz -- Ich sah Die Jugend meines Vetters Leopold Gekrönt mit Ehre und mit Land belohnt, Und mich, der gleiches Alters mit ihm war, In sklavischer Unmündigkeit gehalten. =Tell.= Unglücklicher, wohl kannte dich dein Ohm, Da er dir Land und Leute weigerte! Du selbst mit rascher, wilder Wahnsinnsthat Rechtfertigst furchtbar seinen weisen Schluß. -- Wo sind die blut’gen Helfer deines Mords? =Parricida.= Wohin die Rachegeister sie geführt; Ich sah sie seit der Unglücksthat nicht wieder. =Tell.= Weißt du, daß dich die Acht verfolgt, daß du Dem Freund verboten und dem Feind erlaubt? =Parricida.= Darum vermeid’ ich alle offne Straßen; An keine Hütte wag’ ich anzupochen -- Der Wüste kehr’ ich meine Schritte zu; Mein eignes Schreckniß irr’ ich durch die Berge Und fahre schaudernd vor mir selbst zurück, Zeigt mir ein Bach mein unglückselig Bild. O, wenn ihr Mitleid fühlt und Menschlichkeit -- (Fällt vor ihm nieder.) =Tell= (abgewendet). Steht auf! Steht auf! =Parricida.= Nicht, bis ihr mir die Hand gereicht zur Hülfe. =Tell.= Kann ich euch helfen? Kann’s ein Mensch der Sünde? Doch stehet auf