Chapter 3 of 11
Wilhelm Tell — Teil 3
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hat der Landvogt ihm geraubt; Nichts hat er ihm gelassen, als den Stab, Um nackt und blind von Thür zu Thür zu wandern. =Melchthal.= Nichts als den Stab dem augenlosen Greis! Alles geraubt und auch das Licht der Sonne, Des Aermsten allgemeines Gut -- Jetzt rede Mir Keiner mehr von Bleiben, von Verbergen! Was für ein feiger Elender bin ich, Daß ich auf +meine+ Sicherheit gedacht, Und nicht auf deine! -- dein geliebtes Haupt Als Pfand gelassen in des Wüthrichs Händen! Feigherz’ge Vorsicht, fahre hin -- Auf nichts Als blutige Vergeltung will ich denken. Hinüber will ich -- Keiner soll mich halten -- Des Vaters Auge von dem Landvogt fordern -- Aus allen seinen Reisigen heraus Will ich ihn finden -- Nichts liegt mir am Leben, Wenn ich den heißen, ungeheuren Schmerz In seinem Lebensblute kühle. (Er will gehen.) =Walther Fürst.= Bleibt! Was könnt ihr gegen ihn? Er sitzt zu Sarnen Auf seiner hohen Herrenburg und spottet Ohnmächt’gen Zorns in seiner sichern Veste. =Melchthal.= Und, wohnt’ er droben auf dem Eispalast Des +Schreckhorns+ oder höher, wo die +Jungfrau+ Seit Ewigkeit verschleiert sitzt -- ich mache Mir Bahn zu ihm; mit zwanzig Jünglingen, Gesinnt, wie ich, zerbrech’ ich seine Veste. Und wenn mir Niemand folgt, und wenn ihr Alle, Für eure Hütten bang und eure Heerden, Euch dem Tyrannenjoche beugt -- die Hirten Will ich zusammenrufen im Gebirg, Dort, unterm freien Himmelsdache, wo Der Sinn noch frisch ist, und das Herz gesund, Das ungeheuer Gräßliche erzählen. =Stauffacher= (zu Walther Fürst). Es ist auf seinem Gipfel -- Wollen wir Erwarten, bis das Aeußerste -- =Melchthal.= Welch Aeußerstes Ist noch zu fürchten, wenn der Stern des Auges In seiner Höhle nicht mehr sicher ist? -- Sind wir denn wehrlos? Wozu lernten wir Die Armbrust spannen und die schwere Wucht Der Streitaxt schwingen? Jedem Wesen ward Ein Nothgewehr in der Verzweiflungsangst. Es stellt sich der erschöpfte Hirsch und zeigt Der Meute sein gefürchtetes Geweih, Die Gemse reißt den Jäger in den Abgrund -- Der Pflugstier selbst, der sanfte Hausgenoß Des Menschen, der die ungeheure Kraft Des Halses duldsam unters Joch gebogen, Springt auf, gereizt, wetzt sein gewaltig Horn, Und schleudert seinen Feind den Wolken zu. =Walther Fürst.= Wenn die drei Lande dächten, wie wir drei, So möchten wir vielleicht etwas vermögen. =Stauffacher.= Wenn Uri hilft, wenn Unterwalden hilft, Der Schwytzer wird die alten Bünde ehren. =Melchthal.= Groß ist in Unterwalden meine Freundschaft Und Jeder wagt mit Freuden Leib und Blut, Wenn er am Andern einen Rücken hat Und Schirm -- O fromme Väter dieses Landes! Ich stehe, nur ein Jüngling, zwischen euch, Den Vielerfahrnen -- meine Stimme muß Bescheiden schweigen in der Landsgemeinde. Nicht, weil ich jung bin und nicht viel erlebte, Verachtet meinen Rath und meine Rede; Nicht lüstern jugendliches Blut, mich treibt Des höchsten Jammers schmerzliche Gewalt, Was auch den Stein des Felsen muß erbarmen. Ihr selbst seyd Väter, Häupter eines Hauses Und wünscht euch einen tugendhaften Sohn, Der eures Hauptes heil’ge Locken ehre, Und euch den Stern des Auges fromm bewache. O, weil ihr selbst an eurem Leib und Gut Noch nichts erlitten, eure Augen sich Noch frisch und hell in ihren Kreisen regen, So sey euch darum unsre Noth nicht fremd. Auch über euch hängt das Tyrannenschwert: Ihr habt das Land von Oestreich abgewendet, Kein anderes war meines Vaters Unrecht; Ihr seyd in gleicher Mitschuld und Verdammniß. =Stauffacher= (zu Walther Fürst). Beschließet +ihr+! Ich bin bereit zu folgen. =Walther Fürst.= Wir wollen hören, was die edeln Herrn Von Sillinen, von Attinghausen rathen -- Ihr Name, denk’ ich, wird uns Freunde werben. =Melchthal.= Wo ist ein Name in dem Waldgebirg’ Ehrwürdiger, als eurer und der eure? An solcher Namen echte Währung glaubt Das Volk, sie haben guten Klang im Lande. Ihr habt ein reiches Erb von Vätertugend Und habt es selber reich vermehrt -- Was braucht’s Des Edelmanns? Laßt’s uns allein vollenden! Wären wir doch allein im Land! Ich meine, Wir wollten uns schon selbst zu schirmen wissen. =Stauffacher.= Die Edeln drängt nicht gleiche Noth mit uns: Der Strom, der in den Niederungen wüthet, Bis jetzt hat er die Höhn noch nicht erreicht -- Doch ihre Hülfe wird uns nicht entstehn, Wenn sie das Land in Waffen erst erblicken. =Walther Fürst.= Wäre ein Obmann zwischen uns und Oestreich, So möchte Recht entscheiden und Gesetz. Doch, der uns unterdrückt, ist unser Kaiser Und höchster Richter -- so muß +Gott uns helfen+ +Durch unsern Arm+ -- Erforschet +ihr+ die Männer Von Schwytz, ich will in Uri Freunde werben. Wen aber senden wir nach Unterwalden? -- =Melchthal.= Mich sendet hin -- Wem läg’ es näher an -- =Walther Fürst.= Ich geb’s nicht zu; ihr seyd mein Gast, ich muß Für eure Sicherheit gewähren! =Melchthal.= Laßt mich! Die Schliche kenn’ ich und die Felsensteige; Auch Freunde find’ ich gnug; die mich dem Feind Verhehlen und ein Obdach gern gewähren. =Stauffacher.= Laßt ihn mit Gott hinüber gehn. Dort drüben Ist kein Verräther -- so verabscheut ist Die Tyrannei, daß sie kein Werkzeug findet. Auch der Alzeller soll uns nid dem Wald Genossen werben und das Land erregen. =Melchthal.= Wie bringen wir uns sichre Kunde zu, Daß wir den Argwohn der Tyrannen täuschen? =Stauffacher.= Wir könnten uns zu +Brunnen+ oder +Treib+ Versammeln, wo die Kaufmannsschiffe landen. =Walther Fürst.= So offen dürfen wir das Werk nicht treiben. -- Hört meine Meinung. -- Links am See, wenn man Nach Brunnen fährt, dem Mythenstein grad über, Liegt eine Matte heimlich im Gehölz, Das +Rütli+ heißt sie bei dem Volk der Hirten, Weil dort die Waldung ausgereutet ward. Dort ist’s, wo unsre Landmark und die eure (Zu Melchthal.) Zusammen gränzen, und in kurzer Fahrt (Zu Stauffacher.) Trägt euch der leichte Kahn von Schwytz herüber. Auf öden Pfaden können wir dahin Bei Nachtzeit wandern und uns still berathen, Dahin mag Jeder zehn vertraute Männer Mitbringen, die herzeinig sind mit uns, So können wir gemeinsam das Gemeine Besprechen und mit Gott es frisch beschließen. =Stauffacher.= So sey’s. Jetzt reicht mir eure biedre Rechte, Reicht ihr die eure her, und so wie wir +Drei Männer+ jetzo, unter uns die Hände Zusammenflechten, redlich ohne Falsch, So wollen wir +drei Länder+ auch, zu Schutz Und Trutz zusammenstehn auf Tod und Leben. =Walther Fürst= und =Melchthal=. Auf Tod und Leben. (Sie halten die Hände noch einige Pausen lang zusammengeflochten und schweigen.) =Melchthal.= Blinder, alter Vater, Du kannst den Tag der Freiheit nicht mehr +schauen+; Du sollst ihn +hören+ -- Wenn von Alp zu Alp Die Feuerzeichen flammend sich erheben, Die festen Schlösser der Tyrannen fallen, In deine Hütte soll der Schweizer wallen, Zu deinem Ohr die Freudenkunde tragen, Und hell in deiner Nacht soll es dir tagen! (Sie gehen auseinander.) Zweiter Aufzug. Erste Scene. +Edelhof des Freiherrn von Attinghausen.+ Ein gothischer Saal, mit Wappenschildern und Helmen verziert. =Der Freiherr=, ein Greis von fünfundachtzig Jahren, von hoher edler Statur, an einem Stabe, worauf ein Gemsenhorn, und in ein Pelzwams gekleidet. =Kuoni= und noch =sechs Knechte= stehen um ihn her mit Rechen und Sensen. -- =Ulrich von Rudenz= tritt ein in Ritterkleidung. =Rudenz.= Hier bin ich, Oheim -- Was ist euer Wille? =Attinghausen.= Erlaubt, daß ich nach altem Hausgebrauch Den Frühtrunk erst mit meinen Knechten theile. (Er trinkt aus einem Becher, der dann in der Reihe herumgeht.) Sonst war ich selber mit in Feld und Wald, Mit meinem Auge ihren Fleiß regierend, Wie sie mein Banner führte in der Schlacht; Jetzt kann ich nichts mehr als den Schaffner machen, Und, kommt die warme Sonne nicht zu mir, Ich kann sie nicht mehr suchen auf den Bergen. Und so, in engerm stets und engerm Kreis, Beweg’ ich mich dem engesten und letzten, Wo alles Leben still steht, langsam zu. Mein Schatten bin ich nur, bald nur mein Name. =Kuoni= (zu Rudenz mit dem Becher). Ich bring’s euch, Junker. (Da Rudenz zaudert, den Becher zu nehmen.) Trinket frisch! Es geht Aus +einem+ Becher und aus +einem+ Herzen. =Attinghausen.= Geht, Kinder, und wenn’s Feierabend ist, Dann reden wir auch von des Lands Geschäften. (Knechte gehen ab.) =Attinghausen= und =Rudenz=. =Attinghausen.= Ich sehe dich gegürtet und gerüstet, Du willst nach Altorf in die Herrenburg? =Rudenz.= Ja, Oheim, und ich darf nicht länger säumen -- =Attinghausen= (setzt sich). Hast du’s so eilig? Wie? Ist deiner Jugend Die Zeit so karg gemessen, daß du sie An deinem alten Oheim mußt ersparen? =Rudenz.= Ich sehe, daß ihr meiner nicht bedürft, Ich bin ein Fremdling nur in diesem Hause. =Attinghausen= (hat ihn lange mit den Augen gemustert). Ja, leider bist du’s. Leider ist die Heimath Zur Fremde dir geworden! Uly! Uly! Ich kenne dich nicht mehr. In Seide prangst du, Die Pfauenfeder trägst du stolz zur Schau, Und schlägst den Purpurmantel um die Schultern; Den Landmann blickst du mit Verachtung an, Und schämst dich seiner traulichen Begrüßung. =Rudenz.= Die Ehr’, die ihm gebührt, geb’ ich ihm gern; Das Recht, das er sich nimmt, verweigr’ ich ihm. =Attinghausen.= Das ganze Land liegt unterm schweren Zorn Des Königs -- jedes Biedermannes Herz Ist kummervoll ob der tyrannischen Gewalt, Die wir erdulden -- dich allein rührt nicht Der allgemeine Schmerz -- dich siehet man, Abtrünnig von den Deinen, auf der Seite Des Landesfeindes stehen, unsrer Noth Hohnsprechend, nach der leichten Freude jagen, Und buhlen um die Fürstengunst, indeß Dein Vaterland von schwerer Geißel blutet. =Rudenz.= Das Land ist schwer bedrängt -- Warum, mein Oheim? Wer ist’s, der es gestürzt in diese Noth? Es kostete ein einzig leichtes Wort, Um Augenblicks des Dranges los zu seyn, Und einen gnäd’gen Kaiser zu gewinnen. Weh ihnen, die dem Volk die Augen halten, Daß es dem wahren Besten widerstrebt. Um eignen Vortheils willen hindern sie, Daß die Waldstätte nicht zu Oestreich schwören, Wie ringsum alle Lande doch gethan. Wohl thut es ihnen auf der Herrenbank Zu sitzen mit dem Adelmann -- den +Kaiser+ Will man zum Herrn, um +keinen+ Herrn zu haben. =Attinghausen.= Muß ich +das+ hören und aus deinem Munde! =Rudenz.= Ihr habt mich aufgefordert, laßt mich enden. -- Welche Person ist’s, Oheim, die ihr selbst Hier spielt? Habt ihr nicht höhern Stolz, als hier Landammann oder Bannerherr zu seyn Und neben diesen Hirten zu regieren? Wie? Ist’s nicht eine rühmlichere Wahl, Zu huldigen dem königlichen Herrn, Sich an sein glänzend Lager anzuschließen, Als eurer eignen Knechte Pair zu seyn, Und zu Gericht zu sitzen mit dem Bauer? =Attinghausen.= Ach, Uly! Uly! Ich erkenne sie Die Stimme der Verführung! Sie ergriff Dein offnes Ohr, sie hat dein Herz vergiftet! =Rudenz.= Ja, ich verberg’ es nicht -- in tiefer Seele Schmerzt mich der Spott der Fremdlinge, die uns Den Bauernadel schelten -- Nicht ertrag’ ich’s, Indeß die edle Jugend rings umher Sich Ehre sammelt unter Habsburgs Fahnen, Auf meinem Erb hier müßig still zu liegen, Und bei gemeinem Tagewerk den Lenz Des Lebens zu verlieren -- Anderswo Geschehen Thaten, eine Welt des Ruhms Bewegt sich glänzend jenseits dieser Berge -- +Mir+ rosten in der Halle Helm und Schild; Der Kriegstrommete muthiges Getön, Der Heroldsruf, der zum Turniere ladet, Er dringt in diese Thäler nicht herein; Nichts als den +Kuhreihn+ und der Heerdeglocken Einförmiges Geläut vernehm’ ich hier. =Attinghausen.= Verblendeter, vom eiteln Glanz verführt, Verachte dein Geburtsland! Schäme dich Der uralt frommen Sitte deiner Väter! Mit heißen Thränen wirst du dich dereinst Heimsehnen nach den väterlichen Bergen, Und dieses Heerdenreihens Melodie, Die du in stolzem Ueberdruß verschmähst, Mit Schmerzenssehnsucht wird sie dich ergreifen, Wenn sie dir anklingt aus der fremden Erde. O, mächtig ist der Trieb des Vaterlands! Die fremde, falsche Welt ist nicht für dich; Dort an dem stolzen Kaiserhof bleibst du Dir ewig fremd mit deinem treuen Herzen! Die Welt, sie fordert andre Tugenden, Als du in diesen Thälern dir erworben. -- Geh hin, verkaufe deine freie Seele, Nimm Land zu Lehen, werd’ ein Fürstenknecht, Da du ein Selbstherr seyn kannst und ein Fürst Auf deinem eignen Erb’ und freien Boden. Ach, Uly! Uly! Bleibe bei den Deinen! Geh nicht nach Altorf -- O, verlaß sie nicht, Die heil’ge Sache deines Vaterlands! -- Ich bin der Letzte meines Stamms -- Mein Name Endet mit mir. Da hängen Helm und Schild; Die werden sie mir in das Grab mitgeben. Und muß ich denken bei dem letzten Hauch, Daß du mein brechend Auge nur erwartest, Um hinzugehn vor diesen neuen Lehnhof Und meine edeln Güter, die ich frei Von Gott empfing, von Oestreich zu empfangen! =Rudenz.= Vergebens widerstreben wir dem König. Die Welt gehört ihm: wollen wir allein Uns eigensinnig steifen und verstocken, Die Länderkette ihm zu unterbrechen, Die er gewaltig rings um uns gezogen? +Sein+ sind die Märkte, die Gerichte, +sein+ Die Kaufmannsstraßen, und das Saumroß selbst, Das auf den Gotthardt ziehet, muß ihm zollen. Von seinen Ländern wie mit einem Netz Sind wir umgarnet rings und eingeschlossen. -- Wird uns das Reich beschützen? Kann es selbst Sich schützen gegen Oestreichs wachsende Gewalt? Hilft Gott uns nicht, kein Kaiser kann uns helfen. Was ist zu geben auf der Kaiser Wort, Wenn sie in Geld- und Kriegesnoth die Städte, Die untern Schirm des Adlers sich geflüchtet, Verpfänden dürfen und dem Reich veräußern? -- Nein, Oheim! Wohlthat ist’s und weise Vorsicht In diesen schweren Zeiten der Parteiung, Sich anzuschließen an ein mächtig Haupt. Die Kaiserkrone geht von Stamm zu Stamm, +Die+ hat für treue Dienste kein Gedächtniß. Doch, um den mächt’gen Erbherrn wohl verdienen, Heißt Saaten in die Zukunft streun. =Attinghausen.= Bist du so weise? Willst heller sehn, als deine edeln Väter, Die um der Freiheit kostbarn Edelstein Mit Gut und Blut und Heldenkraft gestritten? -- Schiff nach +Luzern+ hinunter, frage +dort+, Wie Oestreichs Herrschaft lastet auf den Ländern. Sie werden kommen, unsre Schaf’ und Rinder Zu zählen, unsre Alpen abzumessen, Den Hochflug und das Hochgewilde bannen In unsern freien Wäldern, ihren Schlagbaum An unsre Brücken, unsre Thore setzen, Mit unsrer Armuth ihre Länderkäufe, Mit unserm Blute ihre Kriege zahlen -- -- Nein, wenn wir unser Blut dran setzen sollen, So sey’s +für uns+ -- wohlfeiler kaufen wir Die Freiheit als die Knechtschaft ein! =Rudenz.= Was können wir Ein Volk der Hirten, gegen Albrechts Heere! =Attinghausen.= Lern dieses Volk der Hirten kennen, Knabe! Ich kenn’s, ich hab’ es angeführt in Schlachten, Ich hab’ es fechten sehen bei Favenz. Sie sollen kommen, uns ein Joch aufzwingen, Das wir entschlossen sind +nicht+ zu ertragen! -- O, lerne fühlen, welches Stamms du bist! Wirf nicht für eiteln Glanz und Flitterschein Die echte Perle deines Werthes hin -- Das Haupt zu heißen eines +freien+ Volks, Das dir aus Liebe nur sich herzlich weiht, Das treulich zu dir steht in Kampf und Tod -- +Das+ sey dein Stolz, +des+ Adels rühme dich -- Die angebornen Bande knüpfe fest, Ans Vaterland, ans theure, schließ dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft; Dort in der fremden Welt stehst du allein, Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt. O, komm, du hast uns lang nicht mehr gesehn, Versuch’s mit uns nur +einen+ Tag -- nur heute Geh nicht nach Altorf -- hörst du? heute nicht; Den +einen+ Tag nur schenke dich den Deinen! (Er faßt seine Hand.) =Rudenz.= Ich gab mein Wort -- Laßt mich -- Ich bin gebunden. =Attinghausen= (läßt seine Hand los, mit Ernst). Du bist gebunden -- Ja, Unglücklicher, Du bist’s, doch nicht durch Wort und Schwur, Gebunden bist du durch der Liebe Seile! (Rudenz wendet sich weg.) -- Verbirg dich, wie du willst. Das Fräulein ist’s, Bertha von Bruneck, die zur Herrenburg Dich zieht, dich fesselt an des Kaisers Dienst. Das Ritterfräulein willst du dir erwerben Mit deinem Abfall von dem Land -- Betrüg dich nicht! Dich anzulocken, zeigt man dir die Braut; Doch deiner Unschuld ist sie nicht beschieden. =Rudenz.= Genug hab’ ich gehört. Gehabt euch wohl. (Er geht ab.) =Attinghausen.= Wahnsinn’ger Jüngling, bleib! Er geht dahin! Ich kann ihn nicht erhalten, nicht erretten -- So ist der Wolfenschießen abgefallen Von seinem Land -- so werden Andre folgen, Der fremde Zauber reißt die Jugend fort, Gewaltsam strebend über unsre Berge. -- O unglücksel’ge Stunde, da das Fremde In diese still beglückten Thäler kam, Der Sitten fromme Unschuld zu zerstören! Das Neue dringt herein mit Macht, das Alte, Das Würd’ge scheidet, andre Zeiten kommen, Es lebt ein andersdenkendes Geschlecht! Was thu’ ich hier? Sie sind begraben Alle, Mit denen ich gewaltet und gelebt. Unter der Erde schon liegt +meine+ Zeit; Wohl dem, der mit der +neuen+ nicht mehr braucht zu leben! (Geht ab.) Zweite Scene. +Eine Wiese, von hohen Felsen und Wald umgeben.+ Auf dem Felsen sind Steige mit Geländern, auch Leitern, von denen man nachher die Landleute herabsteigen sieht. Im Hintergrunde zeigt sich der See, über welchem anfangs ein Mondregenbogen zu sehen ist. Den Prospect schließen hohe Berge, hinter welchen noch höhere Eisgebirge ragen. Es ist völlig Nacht auf der Scene, nur der See und die weißen Gletscher leuchten im Mondlicht. =Melchthal=, =Baumgarten=. =Winkelried=, =Meier von Sarnen=, =Burkhart am Bühel=, =Arnold von Sewa=, =Klaus von der Flüe= und noch vier