Lipi
Sign in
←

Lipi Heritage · Free forever

Wilhelm Tell

Chapter 11 of 11

Wilhelm Tell — Teil 11

Listen to this section

Uses your saved EN voice · Narration settings

Narration reads this chapter in responsive sections.

-- Was ihr auch Gräßliches Verübt -- Ihr seyd ein Mensch -- Ich bin es auch; Vom Tell soll Keiner ungetröstet scheiden -- Was ich vermag, das will ich thun. =Parricida.= (aufspringend und seine Hand mit Heftigkeit ergreifend.) O Tell! Ihr rettet meine Seele von Verzweiflung. =Tell.= Laßt meine Hand los -- Ihr müßt fort. Hier könnt Ihr unentdeckt nicht bleiben, könnt entdeckt Auf Schutz nicht rechnen -- Wo gedenkt ihr hin? Wo hofft ihr Ruh zu finden? =Parricida.= Weiß ich’s? Ach! =Tell.= Hört, was mir Gott ins Herz gibt -- Ihr müßt fort Ins Land Italien, nach Sankt Peters Stadt; Dort werft ihr euch dem Papst zu Füßen, beichtet Ihm eure Schuld und löset eure Seele. =Parricida.= Wird er mich nicht dem Rächer überliefern? =Tell.= Was er euch thut, das nehmet an von Gott. =Parricida.= Wie komm’ ich in das unbekannte Land? Ich bin des Wegs nicht kundig, wage nicht Zu Wanderern die Schritte zu gesellen. =Tell.= Den Weg will ich euch nennen, merket wohl! Ihr steigt hinauf, dem Strom der +Reuß+ entgegen, Die wildes Laufes von dem Berge stürzt -- =Parricida= (erschrickt). Seh’ ich die Reuß? Sie floß bei meiner That. =Tell.= Am Abgrund geht der Weg, und viele +Kreuze+ Bezeichnen ihn, errichtet zum Gedächtniß Der Wanderer, die die Lawine begraben. =Parricida.= Ich fürchte nicht die Schrecken der Natur, Wenn ich des Herzens wilde Qualen zähme. =Tell.= Vor jedem Kreuze fallet hin und büßet Mit heißen Reuethränen eure Schuld -- Und seyd ihr glücklich durch die Schreckensstraße, Sendet der Berg nicht seine Windeswehen Auf euch herab von dem beeisten Joch, So kommt ihr auf die +Brücke+, welche +stäubet+. Wenn sie nicht einbricht unter eurer Schuld, Wenn ihr sie glücklich hinter euch gelassen, So reißt ein schwarzes +Felsenthor+ sich auf -- Kein Tag hat’s noch erhellt -- da geht ihr durch, Es führt euch in ein heitres +Thal+ der Freude -- Doch schnellen Schritts müßt ihr vorüber eilen; Ihr dürft nicht weilen, wo die Ruhe wohnt. =Parricida.= O Rudolph! Rudolph! Königlicher Ahn! So zieht dein Enkel ein auf deines Reiches Boden! =Tell.= So immer steigend kommt ihr auf die Höhen Des +Gotthardts+, wo die ew’gen +Seen+ sind, Die von des Himmels Strömen selbst sich füllen. Dort nehmt ihr Abschied von der deutschen Erde, Und muntern Laufs führt euch ein andrer Strom Ins Land Italien hinab, euch das gelobte -- (Man hört den Kuhreihen von vielen Alphörnern geblasen.) Ich höre Stimmen. Fort! =Hedwig= (eilt herein). Wo bist du, Tell? Der Vater kommt! Es nahn in frohem Zug Die Eidgenossen alle -- =Parricida= (verhüllt sich). Weh mir! Ich darf nicht weilen bei den Glücklichen. =Tell.= Geh’, liebes Weib. Erfrische diesen Mann! Belad’ ihn reich mit Gaben, denn sein Weg Ist weit, und keine Herberg findet er. Eile! Sie nahn. =Hedwig.= Wer ist es! =Tell.= Forsche nicht! Und wenn er geht, so wende deine Augen, Daß sie nicht sehen, welchen Weg er wandelt! Parricida geht auf den Tell zu mit einer raschen Bewegung; dieser aber bedeutet ihm mit der Hand und geht. Wenn Beide zu verschiedenen Seiten abgegangen, verändert sich der Schauplatz, und man sieht in der Letzten Scene den ganzen Thalgrund vor Tells Wohnung, nebst den Anhöhen, welche ihn einschließen, mit Landleuten besetzt, welche sich zu einem Ganzen gruppiren. Andere kommen über einen hohen Steg, der über den Schächen führt, gezogen. Walther Fürst mit den beiden Knaben, Melchthal und Stauffacher kommen vorwärts; Andere drängen nach; wie Tell heraustritt, empfangen ihn Alle mit lautem Frohlocken. =Alle.= Es lebe Tell! der Schütz und der Erretter! Indem sich die Vordersten um den Tell drängen und ihn umarmen, erscheinen noch =Rudenz= und =Bertha=, jener die Landleute, diese die Hedwig umarmend. Die Musik vom Berge begleitet diese stumme Scene. Wenn sie geendigt, tritt Bertha in die Mitte des Volks. =Bertha.= Landleute! Eidgenossen! Nehmt mich auf In euern Bund, die erste Glückliche, Die Schutz gefunden in der Freiheit Land. In eure tapfre Hand leg’ ich mein Recht, Wollt ihr als eure Bürgerin mich schützen? =Landleute.= Das wollen wir mit Gut und Blut. =Bertha.= Wohlan! So reich’ ich diesem Jüngling meine Rechte, Die freie Schweizerin dem freien Mann! =Rudenz.= Und frei erklär’ ich alle meine Knechte. (Indem die Musik von Neuem rasch einfällt, fällt der Vorhang.)