Chapter 4 of 11
Wilhelm Tell — Teil 4
Uses your saved EN voice · Narration settings
Narration reads this chapter in responsive sections.
andere =Landleute=, alle bewaffnet. =Melchthal= (noch hinter der Scene). Der Bergweg öffnet sich, nur frisch +mir+ nach! Den Fels erkenn’ ich und das Kreuzlein drauf; Wir sind am Ziel, hier ist das Rütli. (Treten auf mit Windlichtern.) =Winkelried.= Horch! =Sewa.= Ganz leer. =Meier.= ’s ist noch kein Landmann da. Wir sind Die ersten auf dem Platz, wir Unterwaldner. =Melchthal.= Wie weit ist’s in der Nacht? =Baumgarten.= Der Feuerwächter Vom Selisberg hat eben Zwei gerufen. (Man hört in der Ferne läuten.) =Meier.= Still! Horch! =Am Bühel.= Das Mettenglöcklein in der Waldkapelle Klingt hell herüber aus dem Schwytzerland. =Von der Flüe.= Die Luft ist rein und trägt den Schall so weit. =Melchthal.= Gehn Einige und zünden Reisholz an, Daß es loh brenne, wenn die Männer kommen. (Zwei Landleute gehen.) =Sewa.= ’s ist eine schöne Mondennacht. Der See Liegt ruhig da, als wie ein ebner Spiegel. =Am Bühel.= Sie haben eine leichte Fahrt. =Winkelried= (zeigt nach dem See). Ha, seht! Seht dorthin! Seht ihr nichts? =Meier.= Was denn? -- Ja, wahrlich! Ein Regenbogen mitten in der Nacht! =Melchthal.= Es ist das Licht des Mondes, das ihn bildet. =Von der Flüe.= Das ist ein seltsam wunderbares Zeichen! Es leben Viele, die das nicht gesehn. =Sewa.= Er ist doppelt; seht, ein blässerer steht drüber. =Baumgarten.= Ein Nachen fährt so eben drunter weg. =Melchthal.= Das ist der Stauffacher mit seinem Kahn! Der Biedermann läßt sich nicht lang erwarten. (Geht mit Baumgarten nach dem Ufer.) =Meier.= Die Urner sind es, die am längsten säumen. =Am Bühel.= Sie müssen weit umgehen durchs Gebirg, Daß sie des Landvogts Kundschaft hintergehen. (Unterdessen haben die zwei Landleute in der Mitte des Platzes ein Feuer angezündet.) =Melchthal= (am Ufer). Wer ist da? Gebt das Wort! =Stauffacher= (von unten). Freunde des Landes. Alle gehen nach der Tiefe, den Kommenden entgegen. Aus dem Kahn steigen =Stauffacher=, =Itel Reding=, =Hans auf der Mauer=, =Jörg im Hofe=, =Konrad Hunn=, =Ulrich der Schmid=, =Jost von Weiler= und noch drei andere =Landleute=, gleichfalls bewaffnet. =Alle= (rufen). Willkommen! (Indem die Uebrigen in der Tiefe verweilen und sich begrüßen, kommt Melchthal und Stauffacher vorwärts.) =Melchthal.= O Herr Stauffacher! Ich hab’ ihn Gesehn, der mich nicht wiedersehen konnte! Die Hand hab’ ich gelegt auf seine Augen, Und glühend Rachgefühl hab’ ich gesogen Aus der erloschnen Sonne seines Blicks. =Stauffacher.= Sprecht nicht von Rache. Nicht Geschehnes rächen, Gedrohtem Uebel wollen wir begegnen. -- Jetzt sagt, was ihr im Unterwaldner Land Geschafft und für gemeine Sach’ geworben; Wie die Landleute denken, wie ihr selbst Den Stricken des Verraths entgangen seyd. =Melchthal.= Durch der Surennen furchtbares Gebirg, Auf weit verbreitet öden Eisesfeldern, Wo nur der heisre Lämmergeier krächzt, Gelangt’ ich zu der Alpentrift, wo sich Aus Uri und vom Engelberg die Hirten Anrufend grüßen und gemeinsam weiden, Den Durst mir stillend mit der Gletscher Milch, Die in den Runsen schäumend niederquillt. In den einsamen Sennhütten kehrt’ ich ein, Mein eigner Wirth und Gast, bis daß ich kam, Zu Wohnungen gesellig lebender Menschen. -- Erschollen war in diesen Thälern schon Der Ruf des neuen Gräuels, der geschehn, Und fromme Ehrfurcht schaffte mir mein Unglück Vor jeder Pforte, wo ich wandernd klopfte. Entrüstet fand ich diese graden Seelen Ob dem gewaltsam neuen Regiment; Denn, so wie ihre Alpen fort und fort Dieselben Kräuter nähren, ihre Brunnen Gleichförmig fließen, Wolken selbst und Winde Den gleichen Strich unwandelbar befolgen, So hat die alte Sitte hier vom Ahn Zum Enkel unverändert fort bestanden. Nicht tragen sie verwegne Neuerung Im altgewohnten gleichen Gang des Lebens. -- Die harten Hände reichten sie mir dar, Von den Wänden langten sie die rost’gen Schwerter, Und aus den Augen blitzte freudiges Gefühl des Muths, als ich die Namen nannte, Die im Gebirg dem Landmann heilig sind, Den eurigen und Walther Fürsts -- Was euch Recht würde dünken, schworen sie zu thun, Euch schworen sie bis in den Tod zu folgen. -- So eilt’ ich sicher unterm heil’gen Schirm Des Gastrechts von Gehöfte zu Gehöfte -- Und, als ich kam ins heimatliche Thal, Wo mir die Vettern viel verbreitet wohnen -- Als ich den Vater fand, beraubt und blind, Auf fremdem Stroh, von der Barmherzigkeit Mildthät’ger Menschen lebend -- =Stauffacher.= Herr im Himmel! =Melchthal.= Da weint’ ich nicht! Nicht in ohnmächt’gen Thränen Goß ich die Kraft des heißen Schmerzens aus; In tiefer Brust, wie einen theuren Schatz, Verschloß ich ihn und dachte nur auf Thaten. Ich kroch durch alle Krümmen des Gebirgs; Kein Thal war so versteckt, ich späht’ es aus, Bis an der Gletscher eisbedeckten Fuß Erwartet’ ich und fand bewohnte Hütten, Und überall, wohin mein Fuß mich trug, Fand ich den gleichen Haß der Tyrannei; Denn bis an diese letzte Grenze selbst Belebter Schöpfung, wo der starre Boden Aufhört zu geben, raubt der Vögte Geiz -- Die Herzen alle dieses biedern Volks Erregt’ ich mit dem Stachel meiner Worte, Und unser sind sie All’ mit Herz und Mund. =Stauffacher.= Großes habt ihr in kurzer Zeit geleistet. =Melchthal.= Ich that noch mehr. Die beiden Vesten sind’s, +Roßberg+ und +Sarnen+, die der Landmann fürchtet; Denn hinter ihren Felsenwällen schirmt Der Feind sich leicht und schädiget das Land. Mit eignen Augen wollt’ ich es erkunden; Ich war zu Sarnen und besah die Burg. =Stauffacher.= Ihr wagtet euch bis in des Tigers Höhle? =Melchthal.= Ich war verkleidet dort in Pilgerstracht, Ich sah den Landvogt an der Tafel schwelgen -- Urtheilt, ob ich mein Herz bezwingen kann; Ich sah den Feind, und ich erschlug ihn nicht. =Stauffacher.= Fürwahr, das Glück war eurer Kühnheit hold. (Unterdessen sind die andern Landleute vorwärts gekommen und nähern sich den Beiden.) Doch jetzo sagt mir, wer die Freunde sind Und die gerechten Männer, die euch folgten? Macht mich bekannt mit ihnen, daß wir uns Zutraulich nahen und die Herzen öffnen. =Meier.= Wer kennte +euch+ nicht, Herr, in den drei Landen? Ich bin der Meier von Sarnen; dies hier ist Mein Schwestersohn, der Struth von Winkelried. =Stauffacher.= Ihr nennt mir keinen unbekannten Namen. Ein Winkelried war’s, der den Drachen schlug Im Sumpf bei Weiler und sein Leben ließ In diesem Strauß. =Winkelried.= Das war mein Ahn, Herr Werner. =Melchthal= (zeigt auf zwei Landleute). +Die+ wohnen hinterm Wald, sind Klosterleute Vom Engelberg -- Ihr werdet sie drum nicht Verachten, weil sie +eigne+ Leute sind Und nicht, wie wir, frei sitzen auf dem Erbe -- Sie lieben’s Land, sind sonst auch wohl berufen. =Stauffacher= (zu den Beiden). Gebt mir die Hand. Es preise sich, wer Keinem Mit seinem Leibe pflichtig ist auf Erden; Doch Redlichkeit gedeiht in jedem Stande. =Konrad Hunn.= Das ist Herr Reding, unser Altlandammann. =Meier.= Ich kenn’ ihn wohl. Er ist mein Widerpart, Der um ein altes Erbstück mit mir rechtet. -- Herr Reding, wir sind Feinde vor Gericht; Hier sind wir einig. (Schüttelt ihm die Hand.) =Stauffacher.= Das ist brav gesprochen. =Winkelried.= Hört ihr? Sie kommen. Hört das Horn von Uri! (Rechts und links sieht man bewaffnete Männer mit Windlichtern die Felsen herabsteigen.) =Auf der Mauer.= Seht! Steigt nicht selbst der fromme Diener Gottes, Der würd’ge Pfarrer mit herab? Nicht scheut er Des Weges Mühen und das Graun der Nacht, Ein treuer Hirte für das Volk zu sorgen. =Baumgarten.= Der Sigrist folgt ihm und Herr Walther Fürst; Doch nicht den Tell erblick’ ich in der Menge. =Walther Fürst=, =Rösselmann=, +der Pfarrer+, =Petermann=, +der Sigrist+, =Kuoni=, +der Hirt+, =Werni=, +der Jäger+, =Ruodi=, +der Fischer+, und noch fünf andere =Landleute=. Alle zusammen, drei und dreißig an der Zahl, treten vorwärts und stellen sich um das Feuer. =Walther Fürst.= So müssen wir auf unserm eignen Erb’ Und väterlichen Boden uns verstohlen Zusammen schleichen, wie die Mörder thun! Und bei der Nacht, die ihren schwarzen Mantel Nur dem Verbrechen und der sonnenscheuen Verschwörung leihet, unser gutes Recht Uns holen, das doch lauter ist und klar, Gleichwie der glanzvoll offne Schooß des Tages. =Melchthal.= Laßt’s gut seyn. Was die dunkle Nacht gesponnen, Soll frei und fröhlich an das Licht der Sonnen. =Rösselmann.= Hört, was mir Gott ins Herz gibt, Eidgenossen! Wir stehen hier statt einer Landsgemeinde Und können gelten für ein ganzes Volk. So laßt uns tagen nach den alten Bräuchen Des Lands, wie wir’s in ruhigen Zeiten pflegen; Was ungesetzlich ist in der Versammlung, Entschuldige die Noth der Zeit. Doch Gott Ist überall, wo man das Recht verwaltet, Und unter seinem Himmel stehen wir. =Stauffacher.= Wohl, laßt uns tagen nach der alten Sitte; Ist es gleich Nacht, so leuchtet unser Recht. =Melchthal.= Ist gleich die Zahl nicht voll, das Herz ist hier Des ganzen Volks, die +Besten+ sind zugegen. =Konrad Hunn.= Sind auch die alten Bücher nicht zur Hand, Sie sind in unsre Herzen eingeschrieben. =Rösselmann.= Wohlan, so sey der Ring sogleich gebildet. Man pflanze auf die Schwerter der Gewalt! =Auf der Mauer.= Der Landesammann nehme seinen Platz, Und seine Waibel stehen ihm zur Seite! =Sigrist.= Es sind der Völker dreie. Welchem nun Gebührt’s, das Haupt zu geben der Gemeinde? =Meier.= Um diese Ehr’ mag Schwytz mit Uri streiten; Wir Unterwaldner stehen frei zurück. =Melchthal.= Wir stehn zurück, wir sind die Flehenden, Die Hülfe heischen von den mächt’gen Freunden. =Stauffacher.= So nehme Uri denn das Schwert, sein Banner Zieht bei den Römerzügen uns voran. =Walther Fürst.= Des Schwertes Ehre werde Schwytz zu Theil, Denn seines Stammes rühmen wir uns Alle. =Rösselmann.= Den edlen Wettstreit laßt mich freundlich schlichten: Schwytz soll im Rath, Uri im Felde führen. =Walther Fürst= (reicht dem Stauffacher die Schwerter). So nehmt! =Stauffacher.= Nicht mir, dem Alter sey die Ehre. =Im Hofe.= Die meisten Jahre zählt Ulrich der Schmid. =Auf der Mauer.= Der Mann ist wacker, doch nicht freien Stands; Kein eigner Mann kann Richter seyn in Schwytz. =Stauffacher.= Steht nicht Herr Reding hier, der Altlandammann? Was suchen wir noch einen Würdigern? =Walther Fürst.= Er sey der Ammann und des Tages Haupt! Wer dazu stimmt, erhebe seine Hände. (Alle heben die rechte Hand auf.) =Reding= (tritt in die Mitte). Ich kann die Hand nicht auf die Bücher legen; So schwör’ ich droben bei den ew’gen Sternen, Daß ich mich nimmer will vom Recht entfernen. (Man richtet die zwei Schwerter vor ihm auf, der Ring bildet sich um ihn her, Schwytz hält die Mitte, rechts stellt sich Uri und links Unterwalden. Er steht auf sein Schlachtschwert gestützt.) Was ist’s, das die drei Völker des Gebirgs Hier an des Sees unwirthlichem Gestade Zusammenführte in der Geisterstunde? Was soll der Inhalt seyn des neuen Bunds, Den wir hier unterm Sternenhimmel stiften? =Stauffacher= (tritt in den Ring). Wir stiften keinen neuen Bund; es ist Ein uralt Bündniß nur von Väter Zeit, Das wir erneuern! Wisset, Eidgenossen! Ob uns der See, ob uns die Berge scheiden, Und jedes Volk sich für sich selbst regiert, So sind wir +eines+ Stammes doch und Bluts, Und +eine+ Heimat ist’s, aus der wir zogen. =Winkelried.= So ist es wahr, wie’s in den Liedern lautet, Daß wir von fern her in das Land gewallt? O, theilt’s uns mit, was euch davon bekannt, Daß sich der neue Bund am alten stärke. =Stauffacher.= Hört, was die alten Hirten sich erzählen. -- Es war ein großes Volk, hinten im Lande Nach Mitternacht, das litt von schwerer Theurung. In dieser Noth beschloß die Landsgemeinde, Daß je der zehnte Bürger nach dem Loos Der Väter Land verlasse -- Das geschah! Und zogen aus wehklagend, Männer und Weiber, Ein großer Heerzug nach der Mittagssonne, Mit dem Schwert sich schlagend durch das deutsche Land, Bis an das Hochland dieser Waldgebirge; Und eher nicht ermüdete der Zug, Bis daß sie kamen in das wilde Thal, Wo jetzt die Muotta zwischen Wiesen rinnt -- Nicht Menschenspuren waren hier zu sehen, Nur eine Hütte stand am Ufer einsam. Da saß ein Mann und wartete der Fähre -- Doch heftig wogete der See und war Nicht fahrbar; da besahen sie das Land Sich näher und gewahrten schöne Fülle Des Holzes und entdeckten gute Brunnen, Und meinten, sich im lieben Vaterland Zu finden -- Da beschlossen sie zu bleiben, Erbaueten den alten Flecken +Schwytz+ Und hatten manchen sauren Tag, den Wald Mit weit verschlungnen Wurzeln auszuroden -- Drauf, als der Boden nicht mehr Gnügen that Der Zahl des Volks, da zogen sie hinüber. Zum schwarzen Berg, ja, bis ans Weißland hin, Wo hinter ew’gem Eiseswall verborgen, Ein andres Volk in andern Zungen spricht. Den Flecken +Stanz+ erbauten sie am Kernwald, Den Flecken +Altorf+ in dem Thal der Reuß -- Doch blieben sie des Ursprungs stets gedenk; Aus all’ den fremden Stämmen, die seitdem In Mitte ihres Lands sich angesiedelt, Finden die Schwytzer Männer sich heraus, Es gibt das Herz, das Blut sich zu erkennen. (Reicht rechts und links die Hand hin.) =Auf der Mauer.= Ja, wir sind +eines+ Herzens, +eines+ Bluts! =Alle= (sich die Hände reichend). Wir sind ein +Volk+, und einig wollen wir handeln. =Stauffacher.= Die andern Völker tragen fremdes Joch, Sie haben sich dem Sieger unterworfen. Es leben selbst in unsern Landesmarken Der Sassen viel, die fremde Pflichten tragen, Und ihre Knechtschaft erbt auf ihre Kinder. Doch +wir+, der alten Schweizer echter Stamm, Wir haben stets die Freiheit uns bewahrt. Nicht unter Fürsten bogen wir das Knie, Freiwillig wählten wir den Schirm der Kaiser. =Rösselmann.= Frei wählten wir des Reiches Schutz und Schirm; So steht’s bemerkt in Kaiser Friedrichs Brief. =Stauffacher.= Denn herrenlos ist auch der Freiste nicht. Ein Oberhaupt muß seyn, ein höchster Richter, Wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit. Drum haben unsre Väter für den Boden, Den sie der alten Wildniß abgewonnen, Die Ehr’ gegönnt dem Kaiser, der den Herrn Sich nennt der deutschen und der wälschen Erde, Und, wie die andern Freien seines Reichs, Sich ihm zu edlem Waffendienst gelobt; Denn dieses ist der Freien einz’ge Pflicht, Das Reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt. =Melchthal.= Was drüber ist, ist Merkmal eines Knechts. =Stauffacher.= Sie folgten, wenn der Heribann erging, Dem Reichspanier und schlugen seine Schlachten. Nach Welschland zogen sie gewappnet mit, Die Römerkron’ ihm auf das Haupt zu setzen. Daheim regierten sie sich fröhlich selbst Nach altem Brauch und eigenem Gesetz; Der höchste Blutbann war allein des Kaisers. Und dazu ward bestellt ein großer Graf, Der hatte seinen Sitz nicht in dem Lande. Wenn Blutschuld kam, so rief man ihn herein, Und unter offnem Himmel schlicht und klar, Sprach er das Recht und ohne Furcht der Menschen. Wo sind hier Spuren, daß wir Knechte sind? Ist einer, der es anders weiß, der rede! =Im Hofe.= Nein, so verhält sich Alles, wie ihr sprecht, Gewaltherrschaft ward nie bei uns geduldet. =Stauffacher.= Dem Kaiser selbst versagten wir Gehorsam, Da er das Recht zu Gunst der Pfaffen bog. Denn, als die Leute von dem Gotteshaus +Einsiedeln+ uns die Alp in Anspruch nahmen, Die wir beweidet seit der Väter Zeit, Der Abt herfürzog einen alten Brief, Der ihm die herrenlose Wüste schenkte -- Denn unser Daseyn hatte man verhehlt -- Da sprachen wir: „Erschlichen ist der Brief! Kein Kaiser kann, was unser ist, verschenken; Und, wird uns Recht versagt vom Reich, wir können In unsern Bergen auch des Reichs entbehren.“ -- So sprachen unsre Väter! Sollen +wir+ Des neuen Joches Schändlichkeit erdulden, Erleiden von dem fremden Knecht, was uns In seiner Macht kein Kaiser durfte bieten? -- Wir haben diesen Boden uns +erschaffen+ Durch unsrer Hände Fleiß, den alten Wald, Der sonst der Bären wilde Wohnung war, Zu einem Sitz für Menschen umgewandelt; Die Brut des Drachen haben wir getödtet, Der aus den Sümpfen giftgeschwollen stieg; Die Nebeldecke haben wir zerrissen, Die ewig grau um diese Wildniß hing, Den harten Fels gesprengt, über den Abgrund Dem Wandersmann den sichern Steg geleitet; Unser ist durch tausendjährigen Besitz Der Boden -- und der fremde Herrenknecht Soll kommen dürfen und uns Ketten schmieden, Und Schmach anthun auf unsrer eignen Erde? Ist keine Hülfe gegen solchen Drang? (Eine große Bewegung unter den Landleuten.) Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht. Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, Wenn unerträglich wird die Last -- greift er Hinauf getrosten Muthes in den Himmel Und holt herunter seine ew’gen Rechte, Die droben hangen unveräußerlich Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst -- Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, Wo Mensch dem Menschen gegenüber steht -- Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben -- Der Güter höchstes dürfen wir vertheid’gen Gegen Gewalt -- Wir stehn für unser Land, Wir stehn für unsre Weiber, unsre Kinder! =Alle= (an ihre Schwerter schlagend). Wir stehn für unsre Weiber, unsre Kinder! =Rösselmann= (tritt in den Ring). Eh’ ihr zum Schwerte greift, bedenkt es wohl! Ihr könnt es friedlich mit dem Kaiser schlichten. Es kostet euch ein Wort, und die Tyrannen, Die euch jetzt schwer bedrängen, schmeicheln euch. -- Ergreift, was man euch oft geboten hat, Trennt euch vom Reich, erkennet Oestreichs Hoheit -- =Auf der Mauer.= Was sagt der Pfarrer? Wir zu Oestreich schwören! =Am Bühel.= Hört ihn nicht an! =Winkelried.= Das räth uns ein Verräther, Ein Feind des Landes! =Reding.= Ruhig, Eidgenossen! =Sewa.= Wir Oestreich huldigen, nach solcher Schmach! =Von der Flüe.= Wir uns abtrotzen lassen