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Faust: Der Tragödie zweiter Teil

Chapter 13 of 17

Faust II — Teil 13

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ganz verständlich spreche, Gefiel dir nichts an unsrer Oberfläche? Du übersahst, in ungemeßnen Weiten, Die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeiten. ((matth. 4)) Doch, ungenügsam, wie du bist, Empfandest du wohl kein Gelüst? FAUST: Und doch! ein Großes zog mich an. Errate! + MEPHISTOPHELES: Das ist bald getan. Ich suchte mir so eine Hauptstadt aus, Im Kerne Bürger-Nahrungs-Graus, Krummenge Gäßchen, spitze Giebeln, Beschränkten Markt, Kohl, Rüben, Zwiebeln; Fleischbänke, wo die Schmeißen hausen, Die fetten Braten anzuschmausen; Da findest du zu jeder Zeit Gewiß Gestank und Tätigkeit. Dann weite Plätze, breite Straßen, Vornehmen Schein sich anzumaßen; Und endlich, wo kein Tor beschränkt, Vorstädte grenzenlos verlängt. Da freut' ich mich an Rollekutschen, Am lärmigen Hin- und Widerrutschen, Am ewigen Hin- und Widerlaufen Zerstreuter Ameis-Wimmelhaufen. Und wenn ich führe, wenn ich ritte, Erschien' ich immer ihre Mitte, Von Hunderttausenden verehrt. FAUST: Das kann mich nicht zufriedenstellen. Man freut sich, daß das Volk sich mehrt, Nach seiner Art behaglich nährt, Sogar sich bildet, sich belehrt-- Und man erzieht sich nur Rebellen. MEPHISTOPHELES: Dann baut' ich, grandios, mir selbst bewußt, Am lustigen Ort ein Schloß zur Lust. Wald, Hügel, Flächen, Wiesen, Feld Zum Garten prächtig umbestellt. Vor grünen Wänden Sammetmatten, Schnurwege, kunstgerechte Schatten, Kaskadensturz, durch Fels zu Fels gepaart, Und Wasserstrahlen aller Art; Ehrwürdig steigt es dort, doch an den Seiten Da zischt's und pißt's in tausend Kleinigkeiten. Dann aber ließ ich allerschönsten Frauen Vertraut-bequeme Häuslein bauen; Verbrächte da grenzenlose Zeit In allerliebst-geselliger Einsamkeit. Ich sage Fraun; denn ein für allemal Denk' ich die Schönen im Plural. FAUST: Schlecht und modern! Sardanapal! MEPHISTOPHELES: Errät man wohl, wornach du strebtest? Es war gewiß erhaben kühn. Der du dem Mond um so viel näher schwebtest, Dich zog wohl deine Sucht dahin? FAUST: Mit nichten! dieser Erdenkreis Gewährt noch Raum zu großen Taten. Erstaunenswürdiges soll geraten, Ich fühle Kraft zu kühnem Fleiß. MEPHISTOPHELES: Und also willst du Ruhm verdienen? Man merkt's, du kommst von Heroinen. FAUST: Herrschaft gewinn' ich, Eigentum! Die Tat ist alles, nichts der Ruhm. MEPHISTOPHELES: Doch werden sich Poeten finden, Der Nachwelt deinen Glanz zu künden, Durch Torheit Torheit zu entzünden. FAUST: Von allem ist dir nichts gewährt. Was weißt du, was der Mensch begehrt? Dein widrig Wesen, bitter, scharf, Was weiß es, was der Mensch bedarf? MEPHISTOPHELES: Geschehe denn nach deinem Willen! Vertraue mir den Umfang deiner Grillen. FAUST: Mein Auge war aufs hohe Meer gezogen; Es schwoll empor, sich in sich selbst zu türmen, Dann ließ es nach und schüttete die Wogen, Des flachen Ufers Breite zu bestürmen. Und das verdroß mich; wie der übermut Den freien Geist, der alle Rechte schätzt, Durch leidenschaftlich aufgeregtes Blut Ins Mißbehagen des Gefühls versetzt. Ich hielt's für Zufall, schärfte meinen Blick: Die Woge stand und rollte dann zurück, Entfernte sich vom stolz erreichten Ziel; Die Stunde kommt, sie wiederholt das Spiel. MEPHISTOPHELES: Da ist für mich nichts Neues zu erfahren, Das kenn' ich schon seit hunderttausend Jahren. FAUST: Sie schleicht heran, an abertausend Enden, Unfruchtbar selbst, Unfruchtbarkeit zu spenden; Nun schwillt's und wächst und rollt und überzieht Der wüsten Strecke widerlich Gebiet. Da herrschet Well' auf Welle kraftbegeistet, Zieht sich zurück, und es ist nichts geleistet, Was zur Verzweiflung mich beängstigen könnte! Zwecklose Kraft unbändiger Elemente! Da wagt mein Geist, sich selbst zu überfliegen; Hier möcht' ich kämpfen, dies möcht' ich besiegen. Und es ist möglich!--Flutend wie sie sei, An jedem Hügel schmiegt sie sich vorbei; Sie mag sich noch so übermütig regen, Geringe Höhe ragt ihr stolz entgegen, Geringe Tiefe zieht sie mächtig an. Da faßt' ich schnell im Geiste Plan auf Plan: Erlange dir das köstliche Genießen, Das herrische Meer vom Ufer auszuschließen, Der feuchten Breite Grenzen zu verengen Und, weit hinein, sie in sich selbst zu drängen. Von Schritt zu Schritt wußt' ich mir's zu erörtern; Das ist mein Wunsch, den wage zu befördern! MEPHISTOPHELES: Wie leicht ist das! Hörst du die Trommeln fern? FAUST: Schon wieder Krieg! der Kluge hört's nicht gern. MEPHISTOPHELES: Krieg oder Frieden. Klug ist das Bemühen, Zu seinem Vorteil etwas auszuziehen. Man paßt, man merkt auf jedes günstige Nu. Gelegenheit ist da, nun, Fauste, greife zu! FAUST: Mit solchem Rätselkram verschone mich! Und kurz und gut, was soll's? Erkläre dich. MEPHISTOPHELES: Auf meinem Zuge blieb mir nicht verborgen: Der gute Kaiser schwebt in großen Sorgen. Du kennst ihn ja. Als wir ihn unterhielten, Ihm falschen Reichtum in die Hände spielten, Da war die ganze Welt ihm feil. Denn jung ward ihm der Thron zuteil, Und ihm beliebt' es, falsch zu schließen, Es könne wohl zusammengehn Und sei recht wünschenswert und schön: Regieren und zugleich genießen. FAUST: Ein großer Irrtum. Wer befehlen soll, Muß im Befehlen Seligkeit empfinden. Ihm ist die Brust von hohem Willen voll, Doch was er will, es darf's kein Mensch ergründen. Was er den Treusten in das Ohr geraunt, Es ist getan, und alle Welt erstaunt. So wird er stets der Allerhöchste sein, Der Würdigste--; Genießen macht gemein. MEPHISTOPHELES: So ist er nicht. Er selbst genoß, und wie! Indes zerfiel das Reich in Anarchie, Wo groß und klein sich kreuz und quer befehdeten Und Brüder sich vertrieben, töteten, Burg gegen Burg, Stadt gegen Stadt, Zunft gegen Adel Fehde hat, Der Bischof mit Kapitel und Gemeinde; Was sich nur ansah, waren Feinde. In Kirchen Mord und Totschlag, vor den Toren Ist jeder Kauf- und Wandersmann verloren. Und allen wuchs die Kühnheit nicht gering; Denn leben hieß sich wehren.--Nun, das ging. FAUST: Es ging--es hinkte, fiel, stand wieder auf, Dann überschlug sich's, rollte plump zuhauf. MEPHISTOPHELES: Und solchen Zustand durfte niemand schelten, Ein jeder konnte, jeder wollte gelten. Der Kleinste selbst, er galt für voll. Doch war's zuletzt den Besten allzutoll. Die Tüchtigen, sie standen auf mit Kraft Und sagten: Herr ist, der uns Ruhe schafft. Der Kaiser kann's nicht, will's nicht--laßt uns wählen, Den neuen Kaiser neu das Reich beseelen, Indem er jeden sicher stellt, In einer frisch geschaffnen Welt Fried' und Gerechtigkeit vermählen. FAUST: Das klingt sehr pfäffisch. + MEPHISTOPHELES: Pfaffen waren's auch, Sie sicherten den wohlgenährten Bauch. Sie waren mehr als andere beteiligt. Der Aufruhr schwoll, der Aufruhr ward geheiligt; Und unser Kaiser, den wir froh gemacht, Zieht sich hieher, vielleicht zur letzten Schlacht. FAUST: Er jammert mich; er war so gut und offen. MEPHISTOPHELES: Komm, sehn wir zu! der Lebende soll hoffen. Befrein wir ihn aus diesem engen Tale! Einmal gerettet, ist's für tausend Male. Wer weiß, wie noch die Würfel fallen? Und hat er Glück, so hat er auch Vasallen. MEPHISTOPHELES: Die Stellung, seh' ich, gut ist sie genommen; Wir treten zu, dann ist der Sieg vollkommen. FAUST: Was kann da zu erwarten sein? Trug! Zauberblendwerk! Hohler Schein. MEPHISTOPHELES: Kriegslist, um Schlachten zu gewinnen! Befestige dich bei großen Sinnen, Indem du deinen Zweck bedenkst. Erhalten wir dem Kaiser Thron und Lande, So kniest du nieder und empfängst Die Lehn von grenzenlosem Strande. FAUST: Schon manches hast du durchgemacht, Nun, so gewinn auch eine Schlacht! MEPHISTOPHELES: Nein, du gewinnst sie! Diesesmal Bist du der Obergeneral. FAUST: Das wäre mir die rechte Höhe, Da zu befehlen, wo ich nichts verstehe! MEPHISTOPHELES: Laß du den Generalstab sorgen, Und der Feldmarschall ist geborgen. Kriegsunrat hab' ich längst verspürt, Den Kriegsrat gleich voraus formiert Aus Urgebirgs Urmenschenkraft; Wohl dem, der sie zusammenrafft. FAUST: Was seh' ich dort, was Waffen trägt? Hast du das Bergvolk aufgeregt? MEPHISTOPHELES: Nein! aber, gleich Herrn Peter Squenz, Vom ganzen Praß die Quintessenz. MEPHISTOPHELES: Da kommen meine Bursche ja! Du siehst, von sehr verschiednen Jahren, Verschiednem Kleid und Rüstung sind sie da; Du wirst nicht schlecht mit ihnen fahren. Es liebt sich jetzt ein jedes Kind Den Harnisch und den Ritterkragen; Und, allegorisch wie die Lumpe sind, Sie werden nur um desto mehr behagen. RAUFEBOLD: Wenn einer mir ins Auge sieht, Werd' ich ihm mit der Faust gleich in die Fresse fahren, Und eine Memme, wenn sie flieht, Fass' ich bei ihren letzten Haaren. HABEBALD: So leere Händel, das sind Possen, Damit verdirbt man seinen Tag; Im Nehmen sei nur unverdrossen, Nach allem andern frag' hernach. HALTEFEST: Damit ist auch nicht viel gewonnen! Bald ist ein großes Gut zerronnen, Es rauscht im Lebensstrom hinab. Zwar nehmen ist recht gut, doch besser ist's, behalten; Laß du den grauen Kerl nur walten, Und niemand nimmt dir etwas ab. Auf dem Vorgebirg obergeneral Noch immer scheint der Vorsatz wohlerwogen, Daß wir in dies gelegene Tal Das ganze Heer gedrängt zurückgezogen; Ich hoffe fest, uns glückt die Wahl. KAISER: Wie es nun geht, es muß sich zeigen; Doch mich verdrießt die halbe Flucht, das Weichen. OBERGENERAL: Schau hier, mein Fürst, auf unsre rechte Flanke! Solch ein Terrain wünscht sich der Kriegsgedanke: Nicht steil die Hügel, doch nicht allzu gänglich, Den Unsern vorteilhaft, dem Feind verfänglich; Wir, halb versteckt, auf wellenförmigem Plan; Die Reiterei, sie wagt sich nicht heran. KAISER: Mir bleibt nichts übrig, als zu loben; Hier kann sich Arm und Brust erproben. OBERGENERAL: Hier, auf der Mittelwiese flachen Räumlichkeiten, Siehst du den Phalanx, wohlgemut zu streiten. Die Piken blinken flimmernd in der Luft, Im Sonnenglanz, durch Morgennebelduft. Wie dunkel wogt das mächtige Quadrat! Zu Tausenden glüht's hier auf große Tat. Du kannst daran die Masse Kraft erkennen, Ich trau' ihr zu, der Feinde Kraft zu trennen. KAISER: Den schönen Blick hab' ich zum erstenmal. Ein solches Heer gilt für die Doppelzahl. OBERGENERAL: Von unsrer Linken hab' ich nichts zu melden, Den starren Fels besetzen wackere Helden, Das Steingeklipp, das jetzt von Waffen blitzt, Den wichtigen Paß der engen Klause schützt. Ich ahne schon, hier scheitern Feindeskräfte Unvorgesehn im blutigen Geschäfte. KAISER: Dort ziehn sie her, die falschen Anverwandten, Wie sie mich Oheim, Vetter, Bruder nannten, Sich immer mehr und wieder mehr erlaubten, Dem Zepter Kraft, dem Thron Verehrung raubten, Dann, unter sich entzweit, das Reich verheerten Und nun gesamt sich gegen mich empörten. Die Menge schwankt im ungewissen Geist, Dann strömt sie nach, wohin der Strom sie reißt. OBERGENERAL: Ein treuer Mann, auf Kundschaft ausgeschickt, Kommt eilig felsenab; sei's ihm geglückt! ERSTER KUNDSCHAFTER: Glücklich ist sie uns gelungen, Listig, mutig, unsre Kunst, Daß wir hin und her gedrungen; Doch wir bringen wenig Gunst. Viele schwören reine Huldigung Dir, wie manche treue Schar; Doch Untätigkeits-Entschuldigung: Innere Gärung, Volksgefahr. KAISER: Sich selbst erhalten bleibt der Selbstsucht Lehre, Nicht Dankbarkeit und Neigung, Pflicht und Ehre. Bedenkt ihr nicht, wenn eure Rechnung voll, Daß Nachbars Hausbrand euch verzehren soll? OBERGENERAL: Der zweite kommt, nur langsam steigt er nieder, Dem müden Manne zittern alle Glieder. ZWEITER KUNDSCHAFTER: Erst gewahrten wir vergnüglich Wilden Wesens irren Lauf; Unerwartet, unverzüglich Trat ein neuer Kaiser auf. Und auf vorgeschriebnen Bahnen Zieht die Menge durch die Flur; Den entrollten Lügenfahnen Folgen alle.--Schafsnatur! KAISER: Ein Gegenkaiser kommt mir zum Gewinn: Nun fühl' ich erst, daß ich der Kaiser bin. Nur als Soldat legt' ich den Harnisch an, Zu höherm Zweck ist er nun umgetan. Bei jedem Fest, wenn's noch so glänzend war, Nichts ward vermißt, mir fehlte die Gefahr. Wie ihr auch seid, zum Ringspiel rietet ihr, Mir schlug das Herz, ich atmete Turnier; Und hättet ihr mir nicht vom Kriegen abgeraten, Jetzt glänzt' ich schon in lichten Heldentaten. Selbständig fühlt' ich meine Brust besiegelt, Als ich mich dort im Feuerreich bespiegelt; Das Element drang gräßlich auf mich los, Es war nur Schein, allein der Schein war groß. Von Sieg und Ruhm hab' ich verwirrt geträumt; Ich bringe nach, was frevelhaft versäumt. FAUST: Wir treten auf und hoffen, ungescholten; Auch ohne Not hat Vorsicht wohl gegolten. Du weißt, das Bergvolk denkt und simuliert, Ist in Natur- und Felsenschrift studiert. Die Geister, längst dem flachen Land entzogen, Sind mehr als sonst dem Felsgebirg gewogen. Sie wirken still durch labyrinthische Klüfte Im edlen Gas metallisch reicher Düfte; In stetem Sondern, Prüfen und Verbinden Ihr einziger Trieb ist, Neues zu erfinden. Mit leisem Finger geistiger Gewalten Erbauen sie durchsichtige Gestalten; Dann im Kristall und seiner ewigen Schweignis Erblicken sie der Oberwelt Ereignis. KAISER: Vernommen hab' ich's, und ich glaube dir; Doch, wackrer Mann, sag an: was soll das hier? FAUST: Der Nekromant von Norcia, der Sabiner, Ist dein getreuer, ehrenhafter Diener. Welch greulich Schicksal droht' ihm ungeheuer! Das Reisig prasselte, schon züngelte das Feuer; Die trocknen Scheite, ringsumher verschränkt, Mit Pech und Schwefelruten untermengt; Nicht Mensch, noch Gott, noch Teufel konnte retten, Die Majestät zersprengte glühende Ketten. Dort war's in Rom. Er bleibt dir hoch verpflichtet, Auf deinen Gang in Sorge stets gerichtet. Von jener Stund' an ganz vergaß er sich, Er fragt den Stern, die Tiefe nur für dich. Er trug uns auf, als eiligstes Geschäfte, Bei dir zu stehn. Groß sind des Berges Kräfte; Da wirkt Natur so übermächtig frei, Der Pfaffen Stumpfsinn schilt es Zauberei. KAISER: Am Freudentag, wenn wir die Gäste grüßen, Die heiter kommen, heiter zu genießen, Da freut uns jeder, wie er schiebt und drängt Und, Mann für Mann, der Säle Raum verengt. Doch höchst willkommen muß der Biedre sein, Tritt er als Beistand kräftig zu uns ein Zur Morgenstunde, die bedenklich waltet, Weil über ihr des Schicksals Waage schaltet. Doch lenket hier im hohen Augenblick Die starke Hand vom willigen Schwert zurück, Ehrt den Moment, wo manche Tausend schreiten, Für oder wider mich zu streiten. Selbst ist der Mann! Wer Thron und Kron' begehrt, Persönlich sei er solcher Ehren wert. Sei das Gespenst, das, gegen uns erstanden, Sich Kaiser nennt und Herr von unsern Landen, Des Heeres Herzog, Lehnherr unsrer Großen, Mit eigner Faust ins Totenreich gestoßen! FAUST: Wie es auch sei, das Große zu vollenden, Du tust nicht wohl, dein Haupt so zu verpfänden. Ist nicht der Helm mit Kamm und Busch geschmückt? Er schützt das Haupt, das unsern Mut entzückt. Was, ohne Haupt, was förderten die Glieder? Denn schläfert jenes, alle sinken nieder; Wird es verletzt, gleich alle sind verwundet, Erstehen frisch, wenn jenes rasch gesundet. Schnell weiß der Arm sein starkes Recht zu nützen; Er hebt den Schild, den Schädel zu beschützen; Das Schwert gewahret seiner Pflicht sogleich, Lenkt kräftig ab und wiederholt den Streich; Der tüchtige Fuß nimmt teil an ihrem Glück, Setzt dem Erschlagnen frisch sich ins Genick. KAISER: Das ist mein Zorn, so möcht' ich ihn behandeln, Das stolze Haupt in Schemeltritt verwandeln! HEROLDE: Wenig Ehre, wenig Geltung Haben wir daselbst genossen, Unsrer kräftig edlen Meldung Lachten sie als schaler Possen: "Euer Kaiser ist verschollen, Echo dort im engen Tal; Wenn wir sein gedenken sollen, Märchen sagt:--Es war einmal." FAUST: Dem Wunsch gemäß der Besten ist's geschehn, Die fest und treu an deiner Seite stehn. Dort naht der Feind, die Deinen harren brünstig; Befiehl den Angriff, der Moment ist günstig. KAISER: Auf das Kommando leist' ich hier Verzicht. In deinen Händen, Fürst, sei deine Pflicht. OBERGENERAL: So trete denn der rechte Flügel an! Des Feindes Linke, eben jetzt im Steigen, Soll, eh' sie noch den letzten Schritt getan, Der Jungendkraft geprüfter Treue weichen. FAUST: Erlaube denn, daß dieser muntre Held Sich ungesäumt in deine Reihen stellt, Sich deinen Reihen innigst einverleibt Und, so gesellt, sein kräftig Wesen treibt. RAUFEBOLD: Wer das Gesicht mir zeigt, der kehrt's nicht ab Als mit zerschlagnen Unter- und Oberbacken; Wer mir den Rücken kehrt, gleich liegt ihm schlapp Hals, Kopf und Schopf hinschlotternd graß im Nacken. Und schlagen deine Männer dann Mit Schwert und Kolben, wie ich wüte, So stürzt der Feind, Mann über Mann, Ersäuft im eigenen Geblüte. OBERGENERAL: Der Phalanx unsrer Mitte folge sacht, Dem Feind begegn' er, klug mit aller Macht; Ein wenig rechts, dort hat bereits, erbittert, Der Unsern Streitkraft ihren Plan erschüttert. FAUST: So folge denn auch dieser deinem Wort! Er ist behend, reißt alles mit sich fort. HABEBALD: Dem Heldenmut der Kaiserscharen Soll sich der Durst nach Beute paaren; Und allen sei das Ziel gestellt: Des Gegenkaisers reiches Zelt. Er prahlt nicht lang auf seinem Sitze, Ich ordne mich dem Phalanx an die Spitze. EILEBEUTE: Bin ich auch ihm nicht angeweibt, Er mir der liebste Buhle bleibt. Für uns ist solch ein Herbst gereift! Die Frau ist grimmig, wenn sie greift, Ist ohne Schonung, wenn sie raubt; Im Sieg voran! und alles ist erlaubt. OBERGENERAL: Auf unsre Linke, wie vorauszusehn, Stürzt ihre Rechte, kräftig. Widerstehn Wird Mann für Mann dem wütenden Beginnen, Den engen Paß des Felswegs zu gewinnen. FAUST: So bitte, Herr, auch diesen zu bemerken; Es schadet nichts, wenn Starke sich verstärken. HALTEFEST: Dem linken Flügel keine Sorgen! Da, wo ich bin, ist der Besitz geborgen; In ihm bewähret sich der Alte, Kein Strahlblitz spaltet, was ich halte. MEPHISTOPHELES: Nun schauet, wie im Hintergrunde Aus jedem zackigen Felsenschlunde Bewaffnete hervor sich drängen, Die schmalen Pfade zu verengen, Mit Helm und Harnisch, Schwertern, Schilden In unserm Rücken eine Mauer bilden, Den Wink erwartend, zuzuschlagen. Woher das kommt, müßt ihr nicht fragen. Ich habe freilich nicht gesäumt, Die Waffensäle ringsum ausgeräumt; Da standen sie zu Fuß, zu Pferde, Als wären sie noch Herrn der Erde; Sonst waren's Ritter, König, Kaiser, Jetzt sind es nichts als leere Schneckenhäuser; Gar manch Gespenst hat sich darein geputzt, Das Mittelalter